Andreae ist ein Sohn des Superintendeten von Herrenberg und päteren Abt von Königsbrunn Johannes Andreae und dessen Ehefrau Maria Moser. Andreae ist auch der Enkel des Reformators und Tübinger Kanzlers Jakob Andreae.
Als Andreaes Vater 1601 starb zog seine nach Tübingen zur Verwandtschaft. Durch Vermittlung und Protektion wurde sie 1607 in das Amt der Vorsteherin der herzoglichen Apotheke in Stuttgart berufen. Dieses Amt bekleidete sie bis 1617.
Andreae blieb in Tübingen und studierte dort zwischen 1602 und 1605 die Freien Künste (Naturwissenschaften). 1603 wurde er Baccalaureus und 1605 Magister. Ab 1606 widmete er sich verstärkt der Theologie, aber auch der Mathematik. Er wurde zum Examen nicht zugelassen, vom Kirchendienst zurückgestellt und von der Universität relegiert. Der Auslöser dieses Skandals war ein Spottgedicht (Pasquill), welches 1581 anlässlich der Heirat des Kanzlers Matthäus Enzlin mit Sabina Varnbüler an dessen Tür geheftet wurde. Andreae hatte vermutlich das Gedicht verfasst oder es zumindest veröffentlicht. Fürbitten seiner Kommilitonen Tobias Hess, Christian Besold und Abraham Hölzl halfen nicht.
So unterrichtete er junge Adlige als Hauslehrer in Lauingen und Hofmeister in Tübingen. Einige seiner Zöglinge begleitete er auf deren Cavalierstouren durch die Schweiz, durch Frankreich, Österreich und Italien. In Genf lernte er1911 die reformierte Kiche der Calvinisten kannen und ließ sich von ihren klaren Regeln eines fleißigen, gottgefälligen Lebens inspirieren. Er selbst studierte ein Semester in Padua und kehrte 1612 nach Tübingen zurück.
Dort nahm er seine thelogischen Studien wieder auf und erhielt als Rependent Zugang zum Tübinger Stift. Nach dem Schlußexamen 1614 wurde er zum Diakon in Vaihingen an der Enz berufen. Als solcher heiratet er am 2. August1614 Agnes Elisabeth Grüninger.
1620 avancierte er zum Superintendent (Stadtpfarrer) in Calw. Hier reformierte er das Schul- und Sozialwesen und richtete die Armenpflege der Calwer Färberstiftung und andere Hilfsdienste ein. Zu diesem Zwecke gründete er die "Christliche Gottliebende Gesellschaft". Für den Wiederaufbau der Stadt, die nach der Schlacht von Nördlingen (1634) durch die kaiserlichen Heere total niedergebrannt und verwüstet und von der Pest heimgesucht wurde, hat er Geld beschafft und tatkräftige Hilfe geleistet. Diese ist um so höher zu bewerten, wenn man weiß, dass Andreae bei dieser Plünderung durch Johann von Werth selber alles Hab und Gut verlor und quasi mittelos dastand.
1638 wurde er Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart, wo er für eine grundlegende Kirchenreform eintrat. Am 27. September promovierte Andreae zum Dr. theol. an der Universität Tübingen.
U. a. hat er sich um die Erhaltung und Weiterführung des Tübinger Stifts verdient gemacht. Nach seiner Schrift Theophilus wurde durch Herzog Eberhard III 1642 im Königreich Württemberg der Kirchenkonvent eingeführt - eine Art Sittengericht, wo über Gemeindemitglieder, die mit Glücksspiel, Fluchen, Zank oder anderen "gottesungefälliger Lebensweise" geurteilt wurde.
1646 wurde Andreae von Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Der Fürst verlieh ihm den Gesellschaftsnamen der Mürbe und das Motto Bleibet doch frisch. Als Emblem wird Andreae das Moos zugedacht. Im Köthener Gesellschaftsbuch findet sich unter der Nr. 464 auch das Reimgesetz, mit welchem sich Andreae für die Aufnahme bedankt:
Das grüne mürbe Moß, wie mans an Bäumen find
Jm grünen-Schattenwald, und immer frisch verbleibet
Macht das ich Mürbe heiß': Ob meine jahre sind
Vom alter mürbe schon, des geistes kraft mich treibet
Doch im berufe frisch, und mich darzu verbind
Das manches kindlein wird dem herren einverleibet:
Das ist die beste frucht die Zur erbauligkeit
Allein gerichtet ist, und bleibt frisch iederzeit.
1650 übernahm er als Generalsuperintendent und Abt die Leitung der Klosterschule Bebenhausen. 1654 sollte er als Abt die evangelische Klosterschule von Adelberg werden, doch diese Stelle hat Andreae nicht mehr angetreten.
Am 27. Juli1654 starb Johann Valentin Andreae im Alter von 68 Jahren in Stuttgart.
Seine religiösen Prinzipien wurden von den Pietisten bis spät in den Zweiten Weltkrieg hinein fortgeführt. Sein Anteil an der Entstehung der Rosenkreuzer-Legende ist umstritten. Andreae trug zwar zur Schaffung des Mythos bei, doch die Ankündigung einer Reformation in seiner Erzählung Chymische Hochzeit ist nicht als Programm zu verstehen. In späteren Schriften, z.B. Fama fraternitatis wird die Alchemie verspottet und neben Musik, Kunst, Theater und Astrologie zu den weniger seriösen Wissenschaften gezählt.
Werke
Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz Anno 1459 (1616)
Confessio oder Bekenntnis der Sozietät und Bruderschaft Rosenkreuz (1615)
Fama fraternitatis Roseae Crucis oder Die Bruderschaft des Ordens der Rosenkreuzer (1614)
Gesammelte Schriften / hrsg. von Wilhelm Schmidt-Biggemann. - Stuttgart-Bad-Cannstadt : Frommann-Holzboog, 1994 ff. - ISBN_3-7728-1426-3 <bisher erschienen vol. 1,2,5,7, und 16>
Reipublicae Christianopolitanae descriptio (Beschreibung des Staates Christenstadt) (1619)
Literatur
Dülmen, Richard van: Die Utopie einer christlichen Gesellschaft. - Stuttgart : Frommann-Holzboog, 1978
Kienast, Richard: Johann Valentin Andreae und die vier echten Rosenkreutzerschriften. - Leipzig : Mayer & Müller, 1926
Montgomery, John W.: Cross and crucible. - The Hague : Nijhoff, 1973
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