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Anatolische Dark Ages

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Der Ausdruck "Anatolische Dark Ages" bezeichnet die Zeitspanne von ca. 1200 v. Chr. bis 750 v. Chr. in Anatolien und ist vom türkischen Archäologen Ekrem Akurgal - in Anlehnung an die Griechischen "Dark Ages" - geschaffen worden. Denn über die Entwicklungen in dieser Zeit wissen wir - von Ostanatolien und den griechisch besiedelten Küstenstreifen abgesehen - sehr wenig. Das liegt daran, dass es keine Schriftquellen und nur sehr wenige achäologische Funde aus diesem Zeitraum gibt.


Die "Dark Ages" Anatoliens setzen um 1200 v. Chr. mit dem Zusammenbruch des Großreichs der Hethiter ein. Wie es zum Untergang des Reichs kam, wissen wir nicht genau, denn die bisher jüngsten Schriftquellen aus der Hauptstadt Hattuscha datieren einige Jahre vor der Zerstörung der Stadt. Die Ursachen für den Zusammenbruch des hethitischen Grossreichs sind wahrscheinlich multikausal: Autoritäts- und Legitimierungs-Schwierigkeiten des letzten Herrschers Suppiluliuma II., viele Feldzüge in kurzer Zeit, die sicherlich die Kraft des Militärs schwächten, eine Hungersnot in Kleinasien, die für ca. 1200 v. Chr. nachgewiesen ist. Danach wurden Zypern und das wichtige Handelszentrum Ugarit in Syrien durch Feinde (vermutlich "Seevölker") erobert. Derart geschwächt bedurfte es höchtens eines mittelschweren Schlags von außen - wir wissen nicht von wem -, um den Kollaps herbeizuführen. Es wird auch diskutiert, ob letztendlich innere Wirren für den Zusammenbruch verantwortlich sind.


Nach dem Zusammenbruch des Hethiterreichs entstand ein Machtvakuum in Anatolien. Im Laufe des 12. Jh. v. Chr. ziehen Kaskäer von Nord- nach Ost-Anatolien. Phrygische Elemente breiten sich von der Troas nach West- und Zentralanatolien aus. Hethitische Staaten bestehen in Ost- und Südostanatolien bis ins 8./7. Jh. v. Chr. weiter. Möglicherweise existieren auch in anderen Randregionen eine Zeit lang hethitische Staaten. Im südlichen Anatolien ist jedenfalls eine Stele eines hethitischen Herrschers gefunden worden, der sich klar in der Tradition des ehemaligen Grossreichs sieht. Dieser Fund steht bisher isoliert und man kann über ihn nicht mehr sagen, als dass die Stele irgendwann in den Dark Ages entstand.


Die Städte in Zentalanatolien werden entweder ganz verlassen oder im Laufe des 12. Jh. (Hattuscha, Gordion) von neuer Bevölkerung wiederbesiedelt, bei denen es sich vermutlich um Phryger und (für Hattuscha) eventuell Kaskäer handelt. Architektur und Keramik dieser Neubesiedlungen sind grundverschieden gegenüber denen der hethitischen Zeit. Die Keramik ist handgemacht und die Gebäude klein und schlicht. Schriftquellen gibt es keine und auch assyrische Quellen helfen nicht, Licht ins Dunkel dieser Zeit Anatoliens zu bringen.


Gegen Mitte des 8. Jh. wird dann ein mächtiges Phrygerreich fassbar, das weite Teile Anatoliens beherrscht. Wie und wann es zur Herausbildung dieses Reichs kam, ist unbekannt. Ab ca. 750 v. Chr. gibt es auch wieder viele archäologische Funde und die Geschichte Anatoliens tritt aus dem Dunkeln.


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