Sowohl Amphion wie Zethos wurden, nachdem sie in einem Gebüsch am Wegrand geboren worden waren, von ihrem Onkel Lykos, dem König von Theben - bzw. von Kadmaia, wie es damals noch genannt wurde - auf dem Berge Kithairon ausgesetzt und von Hirten aufgezogen.
Amphion, der diesen einen Hermes-Altar errichtet hatte, wurde vom Gott mit einer viersaitigen Leier beschenkt und ergänzte diese um weitere Saiten, so dass sie derer sieben besaß, wie es bei den Lydier üblich war, denn seine Gattin stammte von dort. Von Zethos wegen seiner Hinwendung zur Musik oft verspottet, erwies sich seine Begabung beim Bau der Unterstadt von Theben allerdings den Talenten des Viehzüchters und Kriegsherrn Zethos überlegen: Die Steine fügten sich bei seinem Spiel von selbst zusammen, und aus diesem Grund wurde die Stadtmauer auch mit sieben Toren erbaut.
Er herrschte gemeinsam mit Zethos über Theben und muss als Herrscher beliebt gewesen sein, denn nach seinem Tod sei er von allen betrauert worden.
Mit Niobe hatte er zwölf Kinder, die jedoch alle bis auf Amyklas und Meliboias getötet wurden, da sich Niobe ihrer großen Fruchtbarkeit gerühmt und Leto, die Gemahlin des Zeus verspottet hatte. Amphion brachte sich entweder selbst um, wurde von Apollon gemeinsam mit seinen Söhnen getötet - oder auch erst, als er von Gedanken an Rache getrieben einen Tempel des Apollon überfiel.
Der Name Amphion soll nach Robert von Ranke-Graves "beschützt vom Mond" oder "mit dem Mond auf beiden Seiten" bedeuten und ihn in die Nähe der Dreifachen Göttin, die in der Luft, auf der Erde und in der Unterwelt herrscht. Das Leierspiel beim Bau der Stadtmauern sollte demnach auch deren Türme, Tore und Grundmauern mit dem Schutz der Göttin versehen. Deshalb glaubt Ranke-Graves auch, dass die Leier nur drei Saiten gehabt haben kann.
Siehe auch: Portal Mythologie
Quellen
Karl Kerényi: "Die Mythologie der Griechen - Die Heroen-Geschichten", dtv, ISBN_3-423-30031-0
Michael Grant und John Hazel: "Lexikon der antiken Mythen und Gestalten", dtv, ISBN_3-423-32508-9
Robert von Ranke-Graves: "Griechische Mythologie - Quellen und Deutung", rororo, ISBN_3-499-55404-6
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