Amaru oder auch Amaruka, (ca. 6. - 8. Jahrhundert) ist ein indischer Dichter und gilt neben Kalidasa und Bhartrihari als Hauptvertreter der indischenSanskritlyrik und großer Meister der erotischen Poesie.
Über seine Biographie existieren wenig gesicherte Fakten, hauptsächlich nur legendäre Überlieferungen. Vermutlich war er ein kaschmirischer König, es heißt in Legenden, daß die Gedichte eigentlich von dem Philosophen Sankara stammten, der sich im Text als Amaru nur ausgibt, um dessen Frau, die Königin, als seine Geliebte zu besingen. Anhand der Texte läßt sich allerdings definitiv sagen, daß Amaru zur höchsten Gesellschaftsklasse seiner Zeit gehört haben muss.
Werk
Amaru bedient sich in seinem einzigen Werk, der Sammlung "Amarusataka" (zu deutsch: Die hundert Strophen Amarus) der zu dieser Zeit bereits sehr alten Form der poetischen Miniatur, bekannt als muktaka oder gatha, in denen er isolierte Bilder meist explizit erotischen Charakters dem Leser intensiv erlebbar macht.
Trotz der "kleinen Form", von der Amaru Gebrauch macht und dem, nach heutigem, westlichen Verständnis, schlichten Thema, verwendet er erhebliche gestalterische Energie auf die Epigramme, benutzt "Hyperbeln, Metaphern, Wortspiele etc., also stilistische Figuren, ebenso jedoch die Unwägbarkeiten der Sprache, die Gefühle, Stimmungen, ja letztlich einen überpersönlichen, göttlichen Genuss im Hörer erzeugen können. Auch das verfeinerte Gedicht, das bestimmten Publikumserwartungen entsprechen muss, ist also immer mehr, als ein kompliziertes Konglomerat von stilistisch-rhetorischen Formeln. Das eigentlich Erotische der indischen Liebeslyrik entsteht zwischen den geläufigen Bildern und Satzwendungen und einer Inspiration, die, synästhetisch gesteigert, die Atmosphäre des Verlangens, der Erregung und Stillung sinnlich-geistiger Bedürfnisse, gleichsam unmittelbar vernehmbar macht." (Max Lorenzen, in: Marburger Forum, Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart, Jg. 4/2003, Heft 4)
Westliche Rezeption
Die erste Übersetzung des "Amarusataka" in eine westliche Sprache stammte von einem der Begründer der Indologie, dem Franzosen Antoine-Léonard de Chézy, seine Übersetzung erschien 1831 in Paris, allerdings aufgrund des erotischen Inhaltes unter Pseudonym. Im selben Jahr noch erschienen Teile des Werkes in "Wendts Musenalmanach" als "Sanskritische Liebesliedchen Amarusatakam", übersetzt von Friedrich Rückert, vollständig erschien seine kongeniale Übersetzung des "Amarusataka" erst 1925 in Hannover als limitierter Privatdruck (seither nicht neu aufgelegt). Bereits 1913 hatte der deutsche Schriftsteller Hans Bethge in seiner berühmten Reihe von Nachdichtungen orientalischer Lyrik auch Texte Amarus vorgelegt. 1937/38 vertonte der österreichische Komponist Alexander Zemlinsky noch Amarus Gedicht "Die Verschmähte". Der moderne Referenz-Text ist die zweisprachige Motilal-Banarsidass-Ausgabe von 1984 mit einer englischen Übersetzung von Martha Ann Selby.
Beispiel
58. Der Morgenwind nach einer Lustnacht.
Feucht von schöner schweißbeperlter Antlitzmonde Tropfenraub,
Devadhar, Chintaman Ramchandra (ed.): "Amarusatakam: A centum of ancient love lyrics of Amaruka", Critically edited with an introduction, English translation and appendices. Vemabhupålaviracitayå Srngåradîpikåkhyayå vyåkhyayå samalamkrtam. - Reprint, 1st published: Poona 1959. - Delhi: Motilal Banarsidass, 1984.
Sekundärliteratur:
Helmuth von Glasenapp, "Die Literaturen Indiens", Stuttgart 1961
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