Als Alphabetisierung bezeichnet man den Prozess der Vermittlung der Lesefähigkeit sowie ggf. auch der Schreibfähigkeit, unabhängig davon, ob die erlernte Schrift eine alphabetische ist. Der Grad der Lese- oder Schreib- bzw. Schriftkompetenz einer Bevölkerung (Alphabetisierungsrate) kann prozentual für einzelne Bevölkerungsschichten sowie teilweise auch für historische Epochen angegeben werden.
Alphabetisierungsrate
Im Zuge der Reformation wurde das Schulwesen institutionalisiert; durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurden die Grundlagen für eine flächendeckende Alphabetisierung gelegt:
Nach Schätzungen waren im 15. Jahrhundert zwischen einem und vier Prozent der Gesamtbevölkerung Mitteleuropas lesekundig, davon 16 bis 20 Prozent der Stadtbevölkerung. Bemerkenswert sind dabei einige Alphabetisierungs- und Volksbildungskampagnen zum Ende des 15. Jahrhunderts (vgl. Giesecke 1989, 131). Das Lesen wird mit neuartigen Methoden gelehrt wie mit Ickelsamers Lautiermethode.
Im 16. Jahrhundert stieg der Anteil in der männlichen Bevölkerung auf 16 (Frankreich) bis 25 Prozent (EnglandundWales). Aus der Kenntnis, dass ab Mitte des 16. Jahrhunderts amtliche Verordnungen, beispielsweise die Anordnung von Fronarbeit, durch Zettel verbreitet wurde, kann der Schluß gezogen werden, dass "in jedem Haushalt tatsächlich mindestens eine Person lesen konnte" (vgl. Giesecke 1989: 546 und Keunecke 1987: 154)
Um 1800 lag die Alphabetisierungsrate in Deutschland bei mindestens 50 Prozent, um 1870 bereits bei 75 Prozent sowie um 1900 schließlich zwischen 90 und 95 Prozent.
Friedrich Kittler weist angesichts dieser hoch erscheinenden Alphabetisierungsrate darauf hin: "Auch wenn im Zug der allgemeinen Alphabetisierung mehr und mehr Frauen die Buchstaben lernten, Lesenkönnen war noch nicht Schreibendürfen". Diese Eingeschaft der Gutenberg-Galaxis als "sexuell geschlossener Regelkreis" ändert sich erst zum Ende des [19. Jahrhundert]]s, als die ersten Frauen aus dem erzwungenen Anonymat bzw. Pseudonymat ausbrechen und als Schriftstellerinnen in Erscheinung treten: Ricarda Huch (nach 1910), Gertrude Stein, Theodora Bosanquet, Tatjana Tolstaja u.a. (Kittler 1986: 275, 320 f.)
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