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Alpenflora

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Unter Alpenflora versteht man die Gesamtheit der Pflanzen, die im Alpenraum beziehungsweise in europäischen Hochgebirgen unter- und oberhalb der Baumgrenze vorkommen.


Die Pflanzenwelt in den Alpen umfasst ein paar hundert Pflanzenarten die nur dort vorkommen. Einige davon sind mit Pflanzen aus tiefern Höhenlagen verwandt, einige mit Pflanzen, die in asiatischen Hochgebirgen vorkommen, andere mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum oder aus Skandinavien.


Das Vorkommen der Arten verändert sich dabei mit der Höhe. Auch ist es abhängig vom Boden: es gibt kalkliebende Pflanzen, die vorwiegend in den Kalkalpen vorkommen, und kieselliebende Pflanzen die Silikat bevorzugen. Wo Kalk und Silikat aufeinandertreffen entsteht meist eine große Artenvielfalt.


Alpenpflanzen die durch Bäche und Flüsse in tiefere Lagen verbracht werden bezeichnet man als Alpenschwemmling


Inhaltsverzeichnis


1 typische Alpenpflanzen

2 Entstehung der Alpenflora

3 Besondere Lebensbedingungen

4 Besondere Anpassung

5 Vegetationsstufen

6 Wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz

7 Sagenhaftes

8 Historisches


typische Alpenpflanzen

Als typische Alpenpflanzen sind viele Alpenblumen und Zwergsträucher charakteristisch. Besonders bekannt sind verschiedene Enziane (Gentiana) und das Edelweiß (Leontopodium alpinum), die auch in vielen Alpensagen eine Rolle spielen. Weitere Beispiele für typische Alpenpflanzen sind:




Aber auch im Bereich der Bäume und Sträucher gibt es Vertreter, die typisch für den Alpenraum sind:




Entstehung der Alpenflora

Nach dem Rückzug des Urmeeres Thetys vor ca. 60 Millionen Jahren herrschte im mitteleuropäischen Raum ein feuchtes, subtropisches Klima. Dieses hatte einen artenreichen, vorwiegend immergrünen Bewuchs mit Palmen, Magnolien, Mammutbäumen und Sumpfzypressen zur Folge. Durch die folgende Klimaverschlechterung und die Auffaltung der Alpen im jungen Tertiär wurden jedoch diese Tropengewächse langsam verdrängt. Allerdings finden sich immer noch kleinwüchsige Verwandte der damiligen Vegetation im Alpenraum, etwa die Schneeheide, die Hauswurz, der Frauenmantel (deren Vorfahren baumartigen Wuchs zeigten) oder die Greiskräuter (die in Afrika als Klettersträucher vorkommen).


Das neue entstandene Hochgebirge wurde langsam von neuen Pflanzenarten erobert, wobei vermutlich drei Wege dafür verwendet wurden:


  • 1. Die Einwanderung und Anpassung von Tieflandgewächsen aus den Ebenen nördlich der Alpen (z.B. Habichtskraut)
  • 2. Die Zuwanderung aus anderen Gebieten mit alpinem Klima, vor allem aus Zentralasien (z.B. Altai): hierzu zählen Steinbrecharten, Akeleien, Mannsschlide, Alpenrosen, manche Enzianarten, Alpenmohn.
  • 3. Zuwanderung und Anpassung von Pflanzen aus dem Mittelmeerraum: Krokus, Narzissen, Knabenkrautgewächse, Glockenblumen und andere.


Ein weiteres einschneidendes Ereignis war die Epoche der Eiszeiten. Durch sie wurden die Pflanzen einerseits aus den Alpen in tiefere Lagen, andererseits aus dem skandinavischen Raum nach Süden verdrängt. Im Extremfall betrug die eisfreie Zone zwischen den alpinen und den skandinavischen Gletschern nur einige hundert Kilometer - dadurch erfolgte eine starke Vermischung der Flora (z.B. Silberwurz, Krautweide, Gämsheide). Die Verdrängung vom Alpenhauptkamm nach Norden und Süden hatte aber auch den Effekt, dass noch vorhandene Restbestände von subtropischen Pflanzen (vor allem Bäumen) aufgrund natürlicher Barrieren (Mittelmeer im Süden, skandinavische Gletscher im Norden) zum Aussterben verurteilt waren.


In eisfreien Inseln innerhalb des alpinen Bereichs (etwa in den Tessiner Alpen, in den Bergamasker Alpen oder den Julischen Alpen) gab es für manche Pflanzenarten die Möglichkeit zum überdauern der Kälteperiode. Diese Refugien sind daher noch heute besonders reich an alten Pflanzenarten, deren Ursprünge im Tertiär zu suchen sind. Dort findet man z.B. die Veroneser Glockenblume, den Felsen-Seidelbast und die Wulfenie (Wulfenia carinthiaca).


In der Nacheiszeit erfolgte die Rückwanderung der Vegetation in die ehemals vergletscherten Gebiete. Aus dieser Zeit stammen die großen Waldbestände in den Alpen, wobei die Waldgrenze anfänglich sogar um 300 bis 400 Meter höher lag als heute.


Besondere Lebensbedingungen

  • Klima und Mikroklima
    • tiefe Temperaturen
    • Wind
    • Sonnenstrahlung (UV-Intensität)
    • große Niederschlagsmengen
    • kurze Blütezeiten
  • Boden
    • mechanische Bodenbeschaffenheit
      • Humus
      • Schutt
      • Fels
    • chemische Bodenbeschaffenheit
      • saure Böden
      • basische Böden (Kalk, Dolomit)


Besondere Anpassung

Um den besonderen Lebensbedingungen zu trotzen habe viele alpine Pflanzen besondere Strategien entwickelt. Dazu gehören




Diese Maßnahmen dienen vor allem zum Schutz vor Austrockung, der insbesondere für nivale Pflanzen wichtig ist. Der Polsterwuchs ist insofern bemerkenswert, da ein eigenes Mikroklima geschaffen wird. Er erhöht die Temperatur an der Oberfläche und im Polster wird Humus und Wasser gespeichert. Gedrungener Wuchs im allgemeinen verringert die Angriffsfläche für Wind.


Einige Arten haben auch wasserspeichernde Blätter wie Hauswurz und Mauerpfeffer.


Durch die kurze Vegetationsperiode (oft nur einige Wochen schneefrei) sind die meisten Pflanzen mehrjährig. Einige Ausnahmen bestätigen die Regel: Dunkler Mauerpfeffer, Schnee-Enzian und Zwerg-Augentrost. Einige Pflanzen produzieren ihr eigenes Frostschutzmittel (Anreicherung von Zucker und Stärke) und überwintern somit mit grünen Blättern. Dies hat den Vorteil, dass die Pflanzen sofort nach der Schneeschmelze austreiben können. Typische Beispiele wären hier der Krokus oder die Schneerose.


Manche Steinbrecharten sind derart gut angepasst, dass sie aktiv Kalk ausscheiden.


Vegetationsstufen

  • Waldstufe
  • Bergwiesen und Alpenmatten
  • Zwergstrauch-Stufe
  • Schneetäler
  • Schutt und Fels
  • Ewiger Schnee


Wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz

  • Holzwirtschaft
  • Almwirtschaft
  • Naturschutzgebiete
  • geschützte Pflanzen


Sagenhaftes

Historisches

Die erste nachweisliche Beschäftigung mit der Pflanzenwelt der Alpen geht auf den Zürcher Naturforscher und Arzt Conrad Gesner (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts) zurück. Bei seiner Besteigung des Pilatus im Jahr 1555 fertigte er Beschreibungen von ca. 40 Pflanzen an, darunter Enzianarten, einige Steinbrechgewächse, Weißen Germer und Silberdistel. Ebenso stellte er allgemein fest, dass sich die Pflanzen der Berge von jenen der Ebene durch ihr Aussehen unterscheiden, insbesondere wies er auf kleinere und gedrungenere Blätter hin. Aus der selben Zeit stammt ein Pflanzenverzeichnis der Berge rund um Chur von Johann Schmid, der erstmals das Edelweiss (unter dem Namen Wullblume) enthält.


In den Ostalpen (und hier vor allem in den Nördlichen Kalkalpen war zur gleichen Zeit Charles de l'Ecluse tätig. In seiner Historia seltener Pflanzen beschreibt er viele Pflanzen, wie Gämsheide, stengellosen Enzian, Silberwurz und ebenfalls das Edelweiß. Seine Vesuche, Alpenblumen im Hausgarten anzusiedeln, waren von zahlreichen Misserfolgen begleitet, was ihn zu einigen Schlüssen über die besonderen Lebensbedingungen der Pflanzen machte. Noch heute begegnen wir seinem lateinischen Namen in den wissenschaftlichen Namen einiger kalkliebender Pfalnzen, z.B.


den Clusius-Enzian oder die Clusius-Primel.


In den folgenden 200 Jahren geriet die Beschäftigung mit der Alpinflora wieder in Vergessenheit. Erst der in Göttingen lebende Schweizer Arzt Albrecht von Haller, der 1768 das Buch Histroia stirpium Helvetiae über die Flora der Schweiz veröffentlicht, setzt einen neuen Akzent. Neben detaillierten Pflanzenbeschreibungen mit vielen Abbildungen vergleicht er erstmals die Höhenstufen der Alpen mit den Vegetationsgürteln Europas von Norden nach Süden. Auch zu Ehren Hallers sind einige Pflanzen benannt. Wie Hallers Primel, Hallers Teufelkralle oder Hallers Küchenschelle


Ende des 19. Jahrhunderts folgt schließlich noch als weiteres wegbereitendes Buch das Werk Pflanzenleben der Donauländer von Anton Kerner. Dort wird erstmals die Abhängigkeit der Vegetation von Klima, Mikroklima und Boden untersucht.


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