Das Kloster Allerheiligen soll der Sage nach 1192 gegründet worden sein. Der Platz des Klosterbaus im oberen Lierbachtal in der Nähe von Oppenau soll durch einen Esel bestimmt worden sein, der an dieser Stelle einen Geldsack abgeworfen haben soll. Im gleichen Jahr entsteht an dieser abseits gelegenen und schwer erreichbaren Stelle eine erste hölzerne Kapelle, die nach und nach zu einem Prämonstratenserkloster erweitert wird.
1196 wird die Gründungsurkunde durch Uta von Schauenburg ausgestellt. 1200 wird die Stiftung durch Philipp von Schwaben anerkannt, 1204 bestätigt PapstInnozenz III. die Gründung. 1248 werden Chorherren aus Allerheiligen in das ehemals mächtige Kloster Lorsch entsandt, um es in ein Prämonstratenserkloster umzuwandeln, seither gilt Lorsch als filia des Klosters. Eine weitere filia entstand in Haguenau.
Durch verschiedene Schenkungen und Kirchenherrschaften, u.a über Nußbach, Oberkirch und Oppenau gewinnt das Kloster rasch an Größe und wird zum bestimmenden religiösen, kulturellen und politischen Zentrum der Region. 1657 wird das Kloster vom Generalkapitel des Prämonstratenserordens zur Abtei erhoben. Im 18. Jahrhundert ist das Kloster auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Nachdem grössere Brände bereits 1470 und 1555 Teile des Klosters zerstörten, beendet der Brand von 1804 - hervorgerufen durch Blitzschlag in den Turm der Klosterkirche - die Geschichte des Klosters Allerheiligen. Die Ruine wird fortan als Steinbruch, Industriegelände und Rohstofflieferant für Kirchen im Renchtal und im Achertal benutzt. Die Altäre und Heiligenfiguren finden sich in einer Vielzahl umliegender Pfarrkirchen, so in Bad Peterstal, Oppenau, Ottenhöfen und Achern. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der Tourismus das romantisch-abgelegene Lierbachtal mit den Wasserfällen erreicht, beginnen Sicherungsarbeiten an der Ruine, die den heutigen Zustand bewahren.
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