Aliso war ein römischesKastell in Norddeutschland. Es war die einzige in der Geschichtsschreibung belegte militärische Anlage in der Zeit der Varusschlacht, die östlich des Rheines in der norddeutschen Tiefebene gelegen war. Wegen fehlender eindeutiger archäologischer Beweise ist auch hier wie bis vor einigen Jahren bei der Varusschlacht ein Streit der Experten über den wahren Standort des Kastells im Gange. In den meisten Fällen werden die aus der Literatur bekannten Ortsnamen mit lokal vorhanden in Deckung gebracht und daraus der Anspruch abgeleitet, dass genau an dieser Stelle Aliso gelegen habe.
Es gibt eine Reihe von Textstellen bei den römischen HistorikernTacitus, Cassius Dio und Velleius Paterculus, die den Namen Aliso oder auch Elison erwähnen. Im Zusammenhang mit dem Elison fällt bei Cassius Dio als dem genauesten Schilderer der Varusschlacht der Name Lupias als die Bezeichnung für einen Fluss, in den ein weiterer Fluß eben mit dem Namen "Elison" mündet.
Die Textstellen im einzelnen
Cassius Dio:
Und er hätte wohl auch die Weser überquert, wenn nicht die Vorräte ausgegangen wären, der Winter eingesetzt hätte und auch noch ein Bienenschwarm in seinem Lager gesehen worden wäre.
._..wo der Lupias und der Elison sich vermischen, legte er eine Festung an, und eine weitere in dem Gebiet der Hessen beim Rheine selbst.
Tacitus:
Während nun die Schiffe zusammengezogen wurden, ließ der Caesar den Legaten Silius mit einer leichtbewaffneten Truppe einen Einfall in das Chattenland machen; er selbst führte auf die Nachricht, ein an der Lippe angelegtes Kastell werde belagert, sechs Legionen dorthin. Doch konnte weder Silius wegen plötzlicher Regengüsse etwas anderes ausrichten, als ein wenig Beute zu machen und des Chattenfürsten Arpus Frau und Tochter zu entführen, noch gaben dem Caesar die Belagerer Gelegenheit zum Kampf, da sie auf die Kunde von seinem Anrücken auseinandergelaufen waren. Sie hatten jedoch den kürzlich für die Legionen des Varus errichteten Grabhügel und einen alten, für Drusus erbauten Altar zerstört. Germanicus stellte den Altar wieder her und führte zu Ehren des Vaters persönlich an der Spitze der Legionen eine feierliche Parade an; den Grabhügel zu erneuern schien nicht zweckmäßig. Schließlich wurde das ganze Gebiet zwischen dem Kastell Aliso und dem Rhein durch neue Heerstraßen und Dammwege erschlossen und gesichert.
Velleius Paterculus:
Anerkennung verdient auch die Tüchtigkeit des Lagerkommandanten L. Caedicius und derer, die, mit ihm zusammen in Aliso eingeschlossen, durch riesige Massen von Germanen belagert wurden: unter Überwindung aller Schwierigkeiten, die der Mangel an Lebensmitteln unerträglich und der Ansturm der Feinde unüberwindlich machte, faßten sie weder übereilte Entschlüsse noch begnügten sie sich mit tatenloser Vorsicht: sie warteten den geeigneten Moment ab, dann bahnten sie sich mit dem Schwerte die Rückkehr zu den ihrigen.
So weit die Quellenlage der Historiker. Sie hat bis in die heutige Zeit eine Suche nach diesem Kastell in Gang gesetzt, die bislang trotz aller archäologischen Bemühungen zu keinem Ergebnis geführt hat. Sämtliche der am Fluss Lupias = Lippe liegenden und bislang ausgegrabenen Kastelle wurden bereits vor dem in Frage kommenden Jahr 15 nach Christus aufgegeben.
Die Belagerung von Aliso
Die Germanen haben im Gefolge der Varusschlacht sämtliche Kastelle bis auf eines erobert. Dieses Lager mit dem Namen Aliso belagerten sie dagegen ohne Erfolg. Nur Frontinus berichtet, dass die aus der Niederlage des Varus Entronnenen belagert wurden. Solange sich diese Festung hielt, konnten die Germanen weder den Rhein überschreiten noch in Gallien einfallen. Die zahlreichen Bogenschützen hielten die Germanen auf Distanz. Dabei erlitten die Germanen große Verluste. Von der Belagerungskunst selbst verstanden diese nichts. Im Lager hielten sich viele Unbewaffnete auf, darunter auch viele Frauen, Kinder und Sklaven. Die Germanen bewachten dagegen die Zufuhrwege, um die eingeschlossene Besatzung von Lebensmittellieferungen abzuschneiden. Angesichts der heftigen Angriffe und des knappen Lebensmittelvorrates erschien die Situation hoffnungslos. Die Römer bereiteten ihrerseits einen Ausfall vor. Der Kommandeur, der Praefectus Castrorum L. Caedicius, besaß die dazu notwendige Kriegserfahrung.
Eine Gefahr bestand darin, dass die Germanen das Kastell in Brand setzen würden, indem sie das gesammelte Holz vor den Wall bringen und dann anzünden. Dies vereitelte Caedicius dadurch, dass er einen Mangel an Holz vortäuschte und seine Soldaten überallhin aussandte, um es zu stehlen. Dadurch erreichte er, dass die Germanen sämtliche Baumstämme wegschafften.
Die Eingeschlossenen führten einige germanische Gefangene zu den im Lager stehenden Kornspeichern und ließen sie dann anschließend frei, damit diese von den vermeintlichen Vorratsmengen berichten konnten. So erhielten die Germanen den Eindruck, die römischen Lebensmittelvorräte seien nahezu unerschöpflich. Eine Aushungerung durch Belagerung würde daher viel zu lange dauern.
Als die Germanen das Gerücht vernahmen, Tiberius rücke mit einem Entsatzheer heran, zogen sich viele von ihnen zurück. Die Römer nutzten ihre Chance, und schlugen sich Richtung Rhein durch. Zwei germanische Posten hatten die Legionäre bereits überlistet, als der von den die Römer begleitenden Zivilisten erzeugte Lärm den dritten warnte. Da die Germanen sich zu lange mit dem Raub der Beute aufgehalten hatten, gewannen die kräftigsten der Römer einen erheblichen Vorsprung. Mit dem Blasen der Trompeten täuschten die Römer das Herannahen ihres Entsatzheeres vor, so dass die Germanen die Verfolgung aufgaben. Wirklich ist Nonius Asprenas, der vom Ausbruch Kunde genommen hatte, wenig später vom Winterlager Vetera Richtung Aliso aufgebrochen, um seinen Leuten Beistand zu leisten.
Wenn auch die Glaubwürdigkeit einiger Details umstritten sein mag, ist Aliso von den Römern offenbar erfolgreich verteidigt worden.
Literatur
Ralf G. Jahn: Der Römisch - Germanische Krieg (9-16 n. Chr.). Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Bonn 2001.
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