[lat.: aliquot = einige, ein paar] bei Musikinstrumenten die Hilfssaiten und -stimmen.
1. Aliquotsaiten sind bei einem Streichinstrument (z.B.dem Baryton) zusätzliche Begleitsaiten, die meist unterhalb der eigentlichen Spielsaiten angeordnet sind und vom Spieler nicht direkt angeregt werden, sondern von den Spielsaiten über Resonanz zum Mitschwingen veranlasst werden. Auch der patentierte Flügel der Firma Blüthner benützt im Diskant des Instruments über den drei Saiten, die zu einer Taste gehören, eine zusätzliche, gestimmt in der Oberoktave, welche in ihrer Gesamtheit den Instrumentenklang aufhellen und transparenter machen.
2. Aliquotstimmen (Obertonregister oder Hilfsstimmen) sind Orgel-Register, die nicht auf dem angeschlagenen Ton, sondern einen seiner Obertöne (Terz, Quinte, Septime, None etc.) klingen. Diese Register sind dann z.B. als "Terzflöte", "Nazard" (mit der Fusslänge 2 2/3') oder "Gemsquinte" usw. bezeichnet und sind nur in Verbindung mit mindestens einem Grundregister (etwa einer 8-Fuß-Stimme) zu spielen. Da hierbei die Obertonzusammensetzung dieses Grundregisters verändert wird, dienen solche Aliquote der Klangfärbung desselben.
Setzt sich eine Orgelstimme aus mehreren Aliquotreihen zusammen, so führt dies zu gemischten Stimmen. Man findet darunter die Registernamen Mixtur. Z.B. kann eine zweifache Mixtur aus den beiden "Chören" Oktave und Quinte gebildet werden, eine dreifache aus 2' + 1 1/3' + 1'. Auch das Register "Scharff" (z.B. Scharff 4-fach = 2' + 1 3/5' + 1 1/3' +1') oder "Cymbel" (z.B. Cymbel 5-fach = 2' + 1 3/5' + 1 1/3' + 1 1/7' + 1', d.i. Oktav(2') + Quinte + Terz + Septime + Oktav(1') ) ist eine gemischte Stimme. Solche Register sind es, die einer Orgel ihren spezifischen hellstrahlenden Klang verleihen (sogenannte Klangkronen). Andere Aliquotregister färben den Klang eher nasal oder auch Glockenähnlich, wie etwa Cornet 5f. (8' + 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5'), Sesquialtera 2f. (2 2/3' + 1 3/5') oder Glockenton 2f. (1 3/5' + 1')
Eine Besonderheit begegnet vor allem bei den Klangkronen, da sie oft Reihen mit sehr hohen Fußtonlagen enthalten:
Trifft beispielsweise eine Mixtur wegen ihres hohen Obertones an die obere Tongrenze - die obersten Pfeifen werden sehr klein und sind musikalisch unbrauchbar -, so bricht dieser Chor ab, derart, dass die Reihe zurückspringt und in einer teifer liegenden Fußtonlage fortgesetzt wird. Dieses Repetition kann je nach Anfangsgrösse der Chöre ein mehrfaches Repetieren erforderlich machen. Die Kunst des Orgelbauers besteht u.a. auch darin, dass ihm das Einsetzen grösserer Chöre bei einer solchen Repetition kaum auffällig gelingt.
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