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Aleviten

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Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen die größte Religionsgruppe, mit ca. 25% der Bevölkerung.


Sie verfahren mit den religiösen Vorschriften liberal. So halten sie sich nicht an die Fünf Säulen, sehen im Koran kein verbalinspiriertes Buch, sondern interpretieren ihn mystisch. Im Zentrum steht der Mensch nicht als der sich unterwerfende Sklave Gottes, sondern als eigenverantwortliches Wesen.


Aleviten bekennen sich zu Humanität und Demokratie. Die Schari'a, das islamische Gesetz, lehnen Aleviten ab. Das ist der wichtigste Unterschied zu den Sunniten. Aleviten kennen keine Pflichtgebete. Sie brauchen zum Beten keinen besonderen Raum und keine spezielle Zeit. Jede Alevitin und jeder Alevit betet dann und dort, wo er oder sie will auf eine Art, wie es ihm oder ihr entspricht. Der Koran ist für Aleviten kein Gesetzbuch, sondern die Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen.


Zu anderen Religionen, Glaubensbekenntnissen und Ideologien haben Aleviten ein sehr offenes Verhältnis. Auf eine undogmatische Weise fühlen sie sich der Humanität verpflichtet. Die Menschenrechte im Allgemeinen sowie die Meinungs- und Religionsfreiheit im speziellen werden von ihnen ausdrücklich bejaht. Jedem Menschen wird ausdrücklich das Recht auf einen eigenen Glauben zugestanden.


Jedem Menschen wird das freie Selbstbestimmungsrecht zugestanden. Er kann beliebige Rituale pflegen oder darf sogar Atheist sein, sofern er seine eigenen Ansichten nicht anderen aufzwingen will. Die sozialen Normen wie das Verbot des Tötens, Diebstahl, Verleumdung und Ehebruch gelten für Aleviten gegenüber allen Menschen. Die Frage nach dem Tod und den Jenseitsvorstellungen ist für Aleviten nebensächlich. Das Verhältnis zum Mitmenschen ist wichtig.


Die Aleviten beten nicht in einer Moschee, sondern treffen sich zu Kulthandlungen in einem Cemevi (Versammlungshaus) zur Rezitation von Gedichten und zum rituellem Tanz (Semah), der von Frauen und Männer gleichzeitig ausgeführt wird. Dieser wird unter der Aufsicht des Dede ("Großvater") oder Ana ("Großmutter") durchgeführt. Dedes und Anas sind Personen, die sich mit den alevitischen Ritualen und Traditionen sehr gut auskennen und daher hohes Ansehen unter den Aleviten genießen.


Die Verschleierung der Frau ist bei Aleviten nicht vorgeschrieben. In ihrer Lehre sind Frauen und Männer absolut gleichgestellt.


Geschichte

Das Alevitentum entstand aus der Verschmelzung mit Elementen des Christentums, der Gnosis, des türkischen Schamaismus sowie der Schia in Gestalt der Verehrung von Ali. Sie entwickelten ein Modell der Trinität in Gestalt von Allah, Mohammed und Ali.


Die Entstehung erfolgte im 13. Jahrhundert in Anatolien als Volksreligion. Eine besondere Rolle spielten mystische Bruderschaften, besonders Beziehungen zu den iranischen Safawiden.


Unter den Osmanen wurden die Aleviten als Häretiker verfolgt. Erst in der modernen Türkei genießen sie Glaubensfreiheit.


Gegenwärtig haben sich Aleviten in den Mittelschichten etabliert. Sie nehmen führende politische Positionen im linken bis linksradikalen Spektrum ein.


Die Spannungen zwischen dem konservativen Sunniten und Aleviten in der Türkei halten an. 1978 kam es in den Städten Çorum und Kahramanmaraş zu anti-alevitischen Pogromen. 1993 wurden in Sivas während eines alevitischen Kulturfestivals 37 Aleviten durch einen Brandanschlag auf ihr Hotel ermordet.


siehe auch

Alawiten, Drusen


Weblinks



Das "C" wird im Türkischen als "dsch" ausgesprochen.


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