(Groß)-Ayatollah Ali al Sistani, arabisch: آية الله علي السستاني, geb.: 1931 in Mashhad (nordöstlicher Iran) ist der bedeutendste schiitische Geistliche im heutigen Irak.
Obwohl Sistani schon in der Regierungszeit Saddam Husseins als Führer der Schiiten galt, stand er bis 2003 meist unter Hausarrest. Als Leiter der theologischen Hochschule von Nadschaf ist er Nachfolger von Großayatollah Qasem Khoi. Dieser war seit 1970 höchster Würdenträger aller Schiiten, nur vielen Iranern galt Ayatollah Khomeini (1965-1978 ebenfalls in Nadjaf) mehr.
Ayatollah Sistani und die traditionelle islamische Schule von Nadschaf lehnen eine rein religiöse Regierung ab und treten für freie Wahlen ein. Damit steht Nadschaf, das vor Khomeini auch für Iraner das religiöse Zentrum war, im Gegensatz zur persischen "Schule von Qom", die den Kampf gegen den "großen Satan" propagiert.
Sistani betrachtet dieses Modell im Iran als gescheitert und lehnte auch mehrfach ab, die Leitung islamischer Parteien zu übernehmen, die einen großen Stimmanteil zu erwarten hätten.
In einer Fatwa wies Sistani (wie auch die Nadschafer Großayatollahs Mohammad Said al-Hakim und Mohammad Ashaq Fayaz) die 15 Millionen irakischen Schiiten an, Auseinandersetzungen mit amerikanischen Soldaten und der Zivilverwaltung zu vermeiden, denn eine Zusammenarbeit sei zulässig. Übergriffe gegen ausländische Streitkräfte erklärte er zu terroristischen Handlungen, während sie die Schule von Qom als erwünschten muslimischen Widerstand gegen nichtmuslimischen Besetzer bezeichnet.
Am 2. Juni2004 gab Großajatollah Sistani der neuen Übergangsregierung seinen Segen, nachdem er zuvor noch vorangehende Wahlen gefordert hatte. Die Ernennung der Übergangsregierung sei ein wichtiger Schritt, um den Weg freizumachen für freie und faire Wahlen, die das Land aus der Krise führen und volle Souveränität herstellen sollen.
Am 25. August kehrte Sistani unter großem Jubel unmittelbar nach einer Herzoperation aus London in das von US-Truppen belagerte Nadschaf zurück. Sein entschlossenes Einschreiten bewirkte den Rückzug sowohl der Belagerer als auch der islamistischen Widerstandskämpfer, die sich in der Imam Ali Moschee verschanzt hatten.
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