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Akkord

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Ursprünglich von chorda, dem griechischen Wort für Saite, über das Italienische und Französische in der Bedeutung Zusammenklang ins Deutsche aufgenommen.


Andere übliche Bedeutung: Akkordlohn, Akkordvertrag, siehe Akkordarbeit


Inhaltsverzeichnis


1 Definition von Akkord

2 Struktur von Akkorden

  2.1 Tonvorrat

  2.2 Analyse von Akkorden

3 Benennungssysteme von Akkorden

  3.1 Basiston und Intervalle

  3.2 Stufe

  3.3 Tonart

  3.4 Funktion

  3.5 Jazz Chording

4 Vergleich der Benennungssysteme

5 Weitere Angaben zu Akkorden

  5.1 Lage

  5.2 Andere Akkordformen


Definition von Akkord

Ein Akkord ist das gleichzeitige Erklingen von mehreren, unterschiedlichen Tönen, die dabei einen harmonischen Klang ergeben (im Gegensatz zu Dissonanz, Cluster). Meistens handelt es sich bei einem Akkord um einen Dreiklang.


Die Begriff "gleichzeitig" muss weiter gefasst werden. Als gleichzeitig gilt hier ein Zusammenklang von Tönen, die vom Hörer als gemeinsame Bestandteile einer harmonischen Struktur erlebt werden. Damit sind auch geschlagene Klänge auf der Gitarre, Arpeggi und der langsame Aufbau von Zusammenklängen (Rachmaninoff, Melodie Op.3 Nr.3, vorletzter Takt) Akkorde im beschriebenen Sinne.


Normalerweise bezeichnet man Klänge als Akkorde, die aus drei oder mehr Tönen bestehen. Ein Zusammenklang von zwei Tönen ist ein Grenzfall für einen Akkord, der aber als Schlussakkord in klassischer Musik (Beethoven, Sonate op.10 Nr. 1, 2. Satz) oder als Power Chord im Pop (Deep Purple, Smoke on the Water) den funktionalen Anforderungen eines Akkordes genügt.


Beim Zählen der unterschiedlichen Töne in einem Akkord werden lediglich Tonnamen unabhängig von ihrer Tonhöhe berücksichtigt. Ein Zusammenklang von drei mal c mit jeweils einer Oktave Abstand wird normalerweise nicht als Akkord bezeichnet (aber: Chopin, Preludes Op. 28 Nr. 11 und Nr. 14, beide Schluss auf einem Oktavklang, dem man im Kontext nur schwer die Bezeichnung Akkord verweigern kann).


Struktur von Akkorden

Tonvorrat

Akkorde bestehen aus dem Tonvorrat, der vom jeweiligen musikalischen Kontext zur Verfügung gestellt wird. Im Falle der traditionellen westlichen Musik sind das die zwölf Töne der chromatischen Tonleiter und ihre Wiederholungen in verschiedenen Lagen.


Da die traditionelle westliche Musik zum grössten Teil auf einer Grundtonart basiert, ergibt sich ein Kerntonvorrat aus den 7 sogenannten leitereigenen Tönen.


  • Im Falle von C-Dur sind das: c, d, e, f, g, a, h.


Um im musikalischen Ablauf zeitweilig zu anderen Tonarten zu wechseln, kann dieser Tonvorrat um die Töne erweitert werden, die abweichend von der Grundtonart in den anderen Tonarten vorkommen. Tasächlich geschieht die Modulation (der Wechsel) durch die Einführung von leiterfremden Tönen. Die typischsten Erweiterungen, die zu Alterationen von leitereigenen Tönen zu leiterfremden Tönen führen sind die verminderte Sept und die übermäßige Quart.


  • Im Falle von C-Dur sind das: b statt h und fis statt f.


Das Alterieren vom h zum b wird als harmonischer Schwenk in Richtung der im Quintenzirkel nächsten Tonart empfunden, die diesen Ton zu ihren leitereigenen zählt.


  • Im Falle von C-Dur ist das F-Dur.


Dieser Schwenk wird auch empfunden, wenn noch kein Klang auf der Basis F-Dur gebildet wird, sondern zum Beispiel lediglich ein Septakkord über c [c e g b] erklingt. Modulationen zu weiter entfernten Tonarten erweitern entsprechend den Tonvorrat, aus dem Akkorde gebildet werden können.


Analyse von Akkorden

Für die Bezeichnung von Akkorden werden alle enthaltenen Töne so betrachtet, als ob sie in der engstmöglichen Anordnung vorlägen.


  • Der Akkord [c g e'] wird behandelt wie der Akkord [c e g].


Nach dieser Transformation werden die enthaltenen Töne des Akkordes als Intervalle zum Basiston des Akkordes benannt, im genannten Beispiel als Terz und Quinte zum tiefsten Ton, obwohl sie tatsächlich als Quint und Dezime vorlagen.


Der Basiston dieser Bezeichnung hängt vom Benennungssystem ab.


Benennungssysteme von Akkorden

Für die Benennung von Akkorden sind mehrere, unabhängige Systeme gebräuchlich, die im folgenden kurz angerissen werden.




Die Benennungssysteme sind in der Reihenfolge aufgeführt, in der sie historisch entstanden sind. Jedes neue System hat einen Großteil der Errungenschaften der alten System (speziell im Hinblick auf die Syntax der Modifikationen gegenüber dem Grunddreiklang) übernommen und weiter entwickelt. Die Grundstrukturen von Akkorden werden deshalb im ältesten Beschreibungssystem, gem Generalbass, genannt, in den darauf folgenden nicht mehr, obwohl sie dort ebenfalls verwendet werden.


Basiston und Intervalle

Die Art der Beschreibung wird vor allem im Generalbass verwendet. Der Akkord heißt nach den Intervallen, die die enthaltenen Töne zum tiefsten Ton einnehmen.


  • Grunddreiklang: Die Intervalle Terz und Quinte werden nicht genannt. Der oben beschriebene Akkord ist also ein Grunddreiklang über dem Ton c in z.B. der Grundtonart C-Dur.

  • Sextakkord: die Quinte kann durch die Sexte ersetzt werden, so dass ein Sextakkord [c e a] entsteht. Der Sextakkord gilt wie der Grunddreiklang als regulärer Klang.

  • Quartvorhalt: im Akkord kann die Quart die Terz ersetzen [c f g]. In der traditionellen klassischen Musik wird das so empfunden, als ob die Quart die Terz von ihrem Platz verdrängt hätte. Deshalb muss dieser Klang aufgelöst werden, indem die Stimme, die die Quart vorträgt, als nächsten Ton die Terz bringt [c e g].

  • Quartsextvorhalt: Die Kombination von Quart und Sext in einem Akkord [c f a] wird als Erweiterung des vorherigen Falles verstanden. Beide Töne müssen aufgelöst werden [c e g]. Diese Vorhaltsvarianten wurde erst nach dem Barock üblich. Es hat sich dennoch die Bezeichnung Quartsextvorhalt gehalten, die speziell für Kadenzen in Konzerten der Wiener Klassik eine grosse Rolle spielt.

  • Vermindert: durch die Halbtonschritte in der Grundtonleiter ergeben sich bei bestimmten Grundtönen verminderte Akkorde, also Grunddreiklänge aus zwei kleinen Terzen übereinander [c e ges]. Das führt zu einer verminderten Quinte, die dem Klang seinen Namen gegeben hat. Der Name wird auch verwendet, wenn die verminderte Quinte als übermäßige Quarte notiert wird [c e fis], was durch die grössere Nähe zum Tonvorrat normalerweise die korrekte Notation ist.

  • Quintsextakkord: die Quinte wird genannt, weil sie zusätzlich zu der Sexte erklingt, durch die sie normalerweise ersetzt wird. Quintsextakkorde werden in der Funktionstheorie als subdominantisch oder als dominantisch beschrieben. Die subdominantische Variante (auch sixte ajoutée) fügt die Sexte zu einem Grunddreiklang hinzu [f a c d], während die dominantische Variante auf einem verminderten Dreiklang beruht [h d f g]. Die begriffliche Unterscheidung stammt aus der funktionstheoretischen Analyse.

  • Septakkord: Zum Grunddreiklang wird die leitereigene Sept gesetzt, die je nach Position gross [c e g h] oder klein sein kann [g h d f].


Weitere Akkordbezeichnungen, die sich nach diesem Schema bilden lassen, spielen in der zugehörigen Musik keine Rolle. Das Auftreten eines Septnonenakkordes ist gewöhnlich ein Indiz dafür, dass eine andere Benennungsmethode die Aufgabe besser erfüllt.


Stufe

Die Benennung der Stufen ist eine Weiterentwicklung der Benennung über den Basiston, die im Gegensatz zu dieser die tonale Einordnung des Akkordes in den harmonischen Kontext beschreibt.


Es können alle oben genannten Akkordtypen in entsprechender Weise identifiziert werden, wobei der Bezugston nicht ein konkreter Basiston, sondern statt dessen die Nummer dieses Basistones in der Tonleiter der Grundtonart ist.


Beispiele:


  • Der Klang [c e g] ist ein Grunddreiklang über der ersten Stufe
  • Der Klang [g h d f] wird als Septakkord über der fünften Stufe bezeichnet.


Dieses System der klanglichen Beschreibung wird in der Stufentheorie verwendet.


Tonart

Während der Generalbass und die Stufentheorie den Tonvorrat der Grundtonart zum Ausgangspunkt ihrer Benennung machen, lassen sich die Akkorde auch direkt als Repräsentanten einer Tonart auffassen. Dafür werden die enthaltenen Töne ausgewertet.


Beispiele:


Innerhalb eines Stückes in C-Dur ist


  • der Klang [f a c] ein F-Dur-Grunddreiklang,
  • der Klang [c e a] ein a-moll-Dreiklang in der ersten Umkehrung
  • und der Klang [d f g h] ein G-Dur-Septakkord in der zweiten Umkehrung.


Diese Bezeichnung ist anschaulicher als IV.Stufe oder I. Stufe Sextakkord, verzichtet aber darauf, den benannten Klang in den harmonischen Kontext des Stückes einzugliedern.


Funktion

Die Funktionstheorie beschreibt Akkorde anhand der Verwandtschaftszusammenhänge, die sich aus dem Quintenzirkel ergeben. Auch hier lassen sich die oben beschriebenen Akkordtypen verwenden und durch weitergehende Vier-, Fünf- und Mehrklänge erweitern.


Basis des Klanges ist die Tonart, die durch ihren funktionalen Zusammenhang zur Grundtonart benannt wird. Da der Basiston des Akkordes damit nicht beschrieben ist, wird zusätzlich eine Angabe zur Umkehrung oder zum Intervall, das der Basiston im Verhältnis zum Grundton der beschriebenen Funktion hat, gemacht.


Die oben genannten Beispiele führen zu folgenden Bezeichnungen:


  • [f a c] Subdominate Grunddreiklang
  • [c e a] Tonikaparallele in der ersten Umkehrung oder auf der Terz
  • [d f g h] Dominatseptakkord in der zweiten Umkehrung oder auf der Quinte


Jazz Chording

Jazz-Noten werden üblicherweise als lead sheets mit Gesangsstimme und sogenannten Chord Symbols nach der Standard Chord Symbol Notation verbreitet.


Die Standard Chord Symbol Notation entspricht im weitesten Sinne einer Generalbassnotation, bei der der Basiston explizit als Notenname in Buchstabenform angegeben wird. Ein vom Basiston abweichender Basston wird durch einen Schrägstrich abgetrennt zusätzlich bestimmt. Akkordmodifikationen werden durch Angaben zum Klanggeschlecht, Ziffern und andere Kurzbezeichnungen angeben.


Vergleich der Benennungssysteme

Die jeweiligen Benennungssysteme spiegeln das Harmonieverständnis der Zeit wieder, in der sie entstanden sind. Während die Generalbassnotation eine pragmatische Abkürzung im Schriftbild darstellt, baut die Stufentheorie einen ersten harmonischen Zusammenhang auf, der von der Funktionstheorie extrem erweitert wird. Die Jazz Notation übernimmt die bis dahin entstandene Syntax, gibt aber den im Jazz nicht immer notwendigen Funktionszusammenhang vollständig auf.


Am Beispiel des verminderten Septakkordes über cis [cis e g b] in einem C-Dur-Zusammenhang sei gezeigt, wie sich diese Unterschiede äussern:


  • Generalbass: Grundton cis, Angabe 7b
  • Stufentheorie: I# 7b
  • Funktiontheorie: T 7b 9b verkürzt, wenn der Akkord nach F-Dur auflöst, oder DDD 7b 9b verkürzt, wenn der Akkord zur Doppeldominante D-Dur oder zur Subdominantparallele d-moll auflöst. In Extremfällen wären zwei weitere Notationen denkbar.
  • Jazz: C# °7


Der verminderte Septakkord liegt ausserhalb der üblichen Kadenz, ist aber auch für Bach nicht ungewöhnlich. Man kann erkennen, dass der Generalbass durch den Verzicht auf jede Erklärung den für ihn nicht alltäglichen Klang problemlos notiert, während die Stufentheorie ihr Basiskonstrukt (die Stufe) modifizieren muss und die Funktionstheorie weitere Informationen zur korrekten Bezeichnung benötigt. Die Jazz-Notation ähnelt in ihrer Pragmatik dem Generalbass.


Im Gegenzug dazu kann die Funktionstheorie ihre Vorteile realisieren, wenn es um die Beschreibung von Klängen geht, die in der Zeit des Generalbasses oder der Stufentheorie nicht denkbar waren. Das ist zum Beispiel bei Klängen der Fall, in denen die Terz gleichzeitig als grosse und als kleine Terz vorkommt, was funktional als Terz und übermäßige Sekunde/None notiert würde, oder bei solchen, die sich nicht mehr eindeutig auf einen Basiston beziehen lassen wie der aus Quarten geschichtete "Mystische Akkord" von Alexander Skrjabin (c-fis-b-e'-a'-d') sowie der "Tristanakkord" von Richard Wagner, mit dem die Oper "Tristan und Isolde" beginnt.


Weitere Angaben zu Akkorden

Lage

Zusätzlich zu den genannten Beschreibungen kann die Lage eines Akkordes angegeben werden. Damit wird der höchste und damit melodiebestimmende Ton der Zusammenklanges als Intervall zum Basiston des Benennungssystems bezeichnet. Bei der funktionalen Beschreibung kann das dazu führen, dass sowohl der Basston als auch der Melodieton angegeben werden. Im Generalbass ist eine solche Beschreibung unüblich.


Andere Akkordformen

Akkorde, deren Töne unmittelbar nebeneinander liegen, werden als Cluster bezeichnet. Sie sind ein Element der zeitgenössischen Musik.


Eine optisch eindrucksvolle Realisierung von Clustern auf Tasteninstrumenten besteht darin, dass der gesamte Unterarm zum Spielen eingesetzt wird. In diesem Fall ist erstes das Ergebnis nicht vollständig vorhersagbar und zweitens eine harmonische Einordnung nicht mehr sinnvoll.


Siehe auch: Akkordeon, Akkordanz, Musik, Harmonie, Abgeleiteter Akkord, Powerchord


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