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Aichinger, Ilse
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Biografie / Biographie / Biography

* 1. November 1921

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Ilse Aichinger (* 1. November 1921 in Wien), österreichische Schriftstellerin, bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.


Leben

[Bild extern:] Ilse Aichinger


Ilse Aichinger wurde mit ihrer Zwillingsschwester Helga 1921 als Tochter einer jüdischen Ärztin und eines christlichen Lehrers geboren und verbrachte ihre Kindheit in Linz und Wien, wo die Familie ab 1933 der nationalsozialistischer Verfolgung ausgesetzt war. Aichinger begann 1945 ein Studium der Medizin, arbeitete derweil aber schon als Schriftstellerin. Mit dem ersten Roman Das vierte Tor wurde bereits 1946 die eigene Erfahrung der Autorin im Nationalsozalismus und erstmalig in der österreichischen Literatur auch das Konzentrationslager thematisiert. Der Essay Aufruf zum Misstrauen aus demselben Jahr wurde vor allem in seiner Forderung nach Selbstmisstrauen kritisiert: »Der Klarheit unserer Absichten, der Tiefe unserer Gedanken, der Güte unserer Taten! Unserer eigenen Wahrhaftigkeit müssen wir misstrauen!«.


1948 brach Aichinger dann das Medizin-Studium dann aber nach fünf Semestern wieder ab, um ihren zweiten Roman Die grössere Hoffnung unbelastet zu Ende schreiben zu können. Das Werk, das autobiographische Zügen trägt, gilt als das vielleicht bedeutendste Werk der Autorin. 1949/50 übernahm Aichinger dann eine Lektoren-Stelle beim S.Fischer Verlag. Ab 1950/51 arbeitete sie als Assistentin bei Inge Aicher-Scholl an der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Ab 1951 auch in der »Gruppe 47«. 1952 wurden die Erzählungen Rede unter dem Galgen. 1953 Der Gefesselte veröffentlicht. Im Mai, auf der dritten Tagung der »Gruppe 47« wurde Aichinger für die Spiegelgeschichte mit dem Literaturpreis der Gruppe bedacht. Im selben Jahr heiratete sie den Schriftstellerkollegen Günter Eich (†1972). Es folgte noch die Veröffentlichung des Hörspieles Knöpfe. 1954 wurde Sohn Clemens geboren, 1957 Tochter Mirijam.


1955 erhielt Ilse Aichinger den Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf. 1956 wurde sie Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 1957 folgte der Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen und die Mitgliedschaft im deutschen PEN-Zentrums. Zudem wurde in diesem jahr Zu keiner Stunde. Szenen und Dialoge veröffentlicht und eine Bearbeitung von Knöpfe in Berlin uraufgeführt. 1963 zog Aichinger dann nach Großgmain bei Salzburg. 1963 veröffentlichte sie den Erzählband Wo ich wohne, 1965 Eliza Eliza«, 1969 die Hörspiele im Sammelband Auckland und 1970 den Erzählband Nachricht vom Tag. 1971 wurde Ilse Aichinger der Nelly-Sachs-Preis verliehen.


Es folgten 1976 Schlechte Wörter. Ab 1977 war Aichinger dann korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1978 wurden die Gedichte Verschenkter Rat publiziert. 1982 dann folgte der Petrarca-Preis, 1983 der Franz-Kafka-Preis, 1984 der Marie-Luise-Kaschnitz-Preis - kurz nah dem Umzug nach Frankfurt a.M.. Ab 1985 fand dann zunehmend der Rückzug aus der Öffentlichkeit statt. 1987 bekam Aichinger den Europalia-Literatur-Preis der Europäischen Gemeinschaft, 1991 den Grossen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 1995 den Großen Österrreichischen Staatspreis für Literatur und 2000 zusammen mit W.G. Sebald und Markus Werner den Joseph-Breitbach-Preis.


Ilse Aichinger war 1996 Mitunterzeichnerin der Frankfurter Erklärung.


Werke (Auswahl)

  • Das vierte Tor (1945) (beschäftigt sich mit dem Thema Konzentrationslager)
  • Die größere Hoffnung (1948) (Roman, schildert ihre Verfolgung als Halbjüdin unter dem Nationalsozialismus)
  • Der Gefesselte (1953) (Erzählungen)
  • Kleist, Moos, Fasane (1987) (Prosa und Lyrik)
  • Film und Verhängnis (2001) (Sammlung aus Kindheitserinnerungen und Filmkritiken)

  • Ihre Werke erschienen in acht Bänden.


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