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Ahnenkult

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Regelmäßige rituelle Handlung, mit der Lebende einem oder mehrerer toter Vorfahren gedenken, entweder in direkter familiärer Linie oder zumindest als Oberhaupt einer Gruppe - fast immer in Verbindung mit einem Trank-, Speise-, Brand- oder Kleidungsopfer (in sehr frühen Zeiten auch Menschenopfer).


Je weiter die menschliche Geschichte zurückreicht, desto unmittelbarere Praktiken des Ahnenkults lassen sich feststellen.


Beispiele der Frühzeit

In den frühen Schichten der Ausgrabungsstätte Catal Hüyük (Zentraltürkei, ca. 5000 bis 2000 v.u.Z.) bestatteten die damaligen Bewohner ihre Verstorbenen (oder auch nur Teile davon) direkt unter ihren eigenen Schlafplätzen.


In der akeramischen neolithischen Siedlung von Jericho wurden die Schädel Verstorbener mit Gips übermodelliert und deren Augen mit Muscheln imitiert. Die so wahrscheinlich dem lebenden Vorbild nachempfundenen Schädel wurden in bestimmten Ecken der Wohnräume aufgestellt, bzw. unter dem Haus vergraben.


Dieser nahestmögliche Kontakt mit der eigenen Herkunft löste sich im Laufe der kulturellen Entwicklung immer weiter und nahm abstraktere, wesentlich aufwändigere Formen an - bis hin zu endlosen königlichen Ahnenreihen, aufgezeichnet von ägyptischen Priestern und von ihnen mit komplizierten Riten und jährlichen Feiern versehen, die große Mengen an Opfertieren und -gaben verlangten.


So auch die Hellenen, deren Ahnenreihen von größter Wichtigkeit für den sozialen Status der Familie waren. Hier fanden ebenfalls regelmäßige Kult-Dienste für die Toten statt.


Heutige Erscheinungen des Ahnenkultes

In Mexiko wird landesweit jährlich der "Tag der Toten" begangen, mit Volksfesten und Skeletten und Schädeln aus Schokolade.


In China ist der familiäre Ahnenkult traditioneller und fest integrierter Teil des Alltags.


In den indianischen Kulturen von Alaska bis Mittelamerika war es gang ung gäbe, die eigene Herkunft auch über bestimmte heilige Tiere zu definieren, man konnte durchaus beispielsweise vom "großen Adler" abstammen.


In manchen Kulturen Neuguineas wird der ursprüngliche, unmittelbare Ahnenkult heute immer noch praktiziert: Viele der Eingeborenen benutzen die Schädel ihrer Ahnen als Schlaf-Kopfstütze. Der rituelle Verzehr der Asche des Toten stellt seine ultimative Rettung vor dem Verschwinden (Vergessen) dar und sein vollständiges Aufgehen in der Gemeinschft der Lebenden.


Aus der evangelisch-reformierten Lebensweise hat sich der Ahnenkult bis auf sporadische Besuche auf dem Friedhof für immer verabschiedet - wenn ein "Kontakt" mit dem Verstorbenen überhaupt gewünscht ist, findet er rein geistig, also von außen nicht bemerkbar, statt. Katholisch Gläubige zünden ab und zu eine Kerze für ihre Toten an (Brandopfer).


Hauptmotiv allen solchen Handelns ist wohl der Wunsch des Lebenden, die physische Gegenwart des Verstorbenen zu "simulieren", um ihn weiterhin am physischen Leben teilhaben zu lassen - und den Verlust dieser Person so zu kompensieren. Im Falle eines ruhmreichen Ahnen ist es für den Lebenden natürlich zusätzlich von Interesse, dessen Verdienste mit sich selbst in genetischen Zusammenhang zu bringen.


Ahnenkult in China

Rituelle Totenverehrung ist in China Hauptbestandteil der Volksreligion. Der Tod wird als eine Art Schlaf gesehen, aus dem der Mensch wieder erwachen kann. Deshalb gibt es das Ritual, die Seele des toten herbeizurufen, dem Gegenstände des Alltags und Nahrung angeboten werden. Auf hölzernen Ahnentafeln in der Ahnenhalle oder auf dem Hausaltar stehen die Namen der Toten. Ihnen werden Opfer dargebracht und vor ihnen werden wichtige Familienangelegenheiten (z.B. Hochzeiten) entschieden. Die Hinterbliebenen können mit ihren Ahnen entweder durch Opfer oder durch Orakel in Verbindung treten.


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