Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (Ahmadiyya-Gemeinde) behauptet, eine Wiederbelebung des Islam und eine Rückbesinnung auf den Kern der islamischen Glaubenslehre zu vertreten, was von rechtgläubigen Muslimen als häretische Anmaßung verurteilt wird. Die Ahmadiyya grenzt sich allerdings scharf von militant-fundamentalistischen Strömungen ab und betont die friedlichen und toleranten Elemente des Islam. Dabei stützt sie sich auf den Koran, die Ausprüche des Propheten (Hadith) und die Sammlung seiner Taten (Sunna).
Die Ahmadiyya-Bewegung wurde 1889 gegründet. 1891 verkündete Ahmad, der vom Propheten Muhammad (Mohammed) verheißene Mahdi und Messias zu sein, außerdem behauptete er, die Wiedergeburt von Jesus, Krishna und Buddha in einer Person zu sein. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam, wofür ihm die Führungsrolle zukomme.
Nach der Lehre der Ahmadiyya starb Jesus nicht am Kreuz; er wurde gerettet und emigrierte darauf nach Indien, wo er nach einer langen Lehrtätigkeit eines natürlichen Todes starb. In Srinagar, der Hauptstadt Kashmirs, soll sich sein Grab befinden.
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad entstammt einer aristrokratischen Familie persischer Abstammung. Der Name "Ahmadiyya" leitet sich nicht vom Namen des Gründers ab, sondern von der Wortbedeutung Ahmad (= der Preisende) i.Ggs. zu Muhammad (der Gepriesene).
Die Nachfolger von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad werden von der Gemeinde als Kalifen (wörtlich "Nachfolger" eines Propheten) bezeichnet. Alle Ahmadiyya-Kalifen entstammen bis heute der Familie Mirza, die de facto "Besitzer" der Glaubensgemeinschaft ist.
Nach dem Tod des ersten Kalifen spaltete sich die Gemeinschaft 1914 an der Frage, ob Mirza Ghulam Ahmad ein Prophet (nabi) sei, in zwei Fraktionen. Hielt ihn die eine lediglich für einen Erneuerer (mujaddid) des Islam (so genannte Lahori-Sektion), so verehrt ihn die andere als einen von Gott gesandten Propheten (Qadiani-Sektion), der allerdings nicht gekommen war, um ein über den Koran (Qur'an) hinausgehendes neues Religionsgesetz zu begründen. Die Mehrzahl folgte der Auffassung von der Prophetschaft Ahmads und sieht in ihm ein Ebenbild und Nachfolger des Propheten Muhammad. Die Lahori-Ahmadis erkannten den zweiten Kalifen nicht an, sodass der fünfte Kalif, Hazrat Mirza Masroor Ahmad, das geistliche Oberhaupt nur der Qadiani-Ahmadis ist.
Die Lahori-Sektion baute 1922/23 die älteste Moschee Deutschlands in Berlin und die Qadiani-Sektion nach dem Krieg die Moscheen in Hamburg (1957) und Frankfurt/Main (1959). Am 3. Oktober2003 wurde eine 10.000 Gläubige fassende Moschee in London eingeweiht.
Nach der Teilung Indiens verlegte die Qadian-Sektion ihren Hauptsitz 1954 nach Rabwah (Pakistan). Wegen der sich verschärfenden Verfolgung verlegte der vierte Kalif seinen Sitz 1984 nach London. Rabwah und Qadian gelten aber nach wie vor als die geistlichen Zentren der Jamaat. Seit 2003 ist Hazrat Mirza Masroor Ahmad als Khalifatul Masih V das geistliche Oberhaupt der Gemeinschaft.
Lehre
Lehrmäßig unterscheidet sich die Ahmadiya - ausgenommen die Frage der Nachfolge der Prophetschaft Muhammads - kaum vom traditionellen Islam. Dennoch provozierte gerade diese Frage die Feindseligkeit der übrigen Muslime zur Ahmadiyya. In Pakistan, ihrem eigentlichen Kerngebiet, wurde sie 1974 vom pakistanischen Parlament zu einer nichtislamischen Gruppierung erklärt und aus der islamischen Gemeinschaft verstoßen. Die Ahmadiya wurde offiziell verboten und zeitweise auch offen verfolgt.
Wegen des messianischen Charakters der Ahmadiyya-Lehre wird sie von vielen Muslimen nicht als islamisch anerkannt und ihre Anhänger in einigen Ländern (unter anderem in Pakistan) religiös verfolgt.
Gegenwart
Nach eigenen Angaben hat die Ahmadiyya-Bewegung heute geschätzte 200 Millionen Mitglieder, was allerdings stark übertrieben sein dürfte.
Die derzeitige Hauptverwaltung von Ahmadiyya befindet sich in Rabwah, Pakistan. Größere Gemeinden der Ahmadiyya Muslim Jamaat bestehen außer in Südost-Asien in Europa (England, Deutschland) und Nord-Amerika (USA, Kanada). Ihre größten Erfolge erzielte Ahmadiyya in West- und Ostafrika, wo sie sich auch im Bildungs- und Sozialwesen engagiert (Bau von Schulen und Krankenhäusern).
Ahmadiyya setzt sich für eine friedliche Verbreitung des Islam ein.
100-Moscheen-Plan für Deutschland
Ahmadiyya verfolgt einen "100-Moscheen-Plan für Deutschland". In Schlüchtern (Hessen) verhinderte massiver Bürgerwiderstand ein Bauprojekt der Ahmadiyya.
Kritik an der Ahmadiya
Die Sozialwissenschaftlerin Hiltrud Schröter stellt in ihrem Buch "Ahmadiyya-Bewegung des Islam" die These auf, dass es sich bei der Ahmadiyya gleichwohl um eine islamistische Gruppierung handle, da für die von Ahmadiyya angestrebte Gesellschaftsordnung nach Maßgabe der Scharia eine Trennung von Religion und Staat nicht vorgesehen sei. Ihrer Argumentation zufolge ließen die in den Schriften der Ahmadiyya zutagetretenden antidemokratischen, antichristlichen und antisemitischen Auffassungen an der behaupteten Harmlosigkeit der Ahmadiya zweifeln. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/M. stellte im Februar 2003 ein Ermittlungsverfahren ein, das die Ahmadiyya Muslim Jamaat e.V. wegen der in Schröters Buch gezogenen Parallelen zu nationalsozialistischem Gedankengut und zu mafiosen Strukturen gegen Schröter angestrengt hatte.
Literatur
Hiltrud Schröter: Ahmadiyya-Bewegung des Islam; Frankfurt 2002 (Dr. Hänsel-Hohenhausen); ISBN_3-8267-1206-4
Maha Dabbous, Hadayatullah Hübsch: Sind Ahmadis Muslime?; Frankfurt 1994 (Verlag der Islam); ISBN_3-921458-94-3
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