Ahhijawa ist die Bezeichnung eines Volks in hethitischen Quellen, das westlich der Hethiter lebte. Die genaue Lokalisierung ist umstritten. Einige suchen es in West- oder Südwest- andere in Nordwest-Kleinasien. Der größte Teil der Forschung befürwortet aber eine Gleichsetzung der Ahhijawa mit den Achäern. Dabei handelt es sich einerseits um die Bezeichnung der ursprünglichen Bevölkerung eines Teils Mittelgriechenlands, andererseits aber auch um eine von drei Bezeichnungen für Griechen bei Homer.
Ahhijawa hatte wechselhafte Beziehungen zum Hethiterreich. Zur Zeit Tuthallia IV. (ca. 1240-1215 v. Chr.) wurde der Herrscher von Ahhijawa als feindlich angesehen und aus einer Liste der gleichgestellten befreundeten Könige nachträglich gestrichen. Zudem wurde im Sausgamuwa-Vertrag ein Embargo verhängt: der Vasall in Amurru sollte verhindern, dass Schiffe von Ahhijawa seine in Häfen einlaufen und Kontakt mit assyrischen Händlern aufnehmen. Ein weiterer Text, bei dem jedoch strittig ist, ob er der Periode Tuthallia IV. oder eher Tuthallia III. entstammt, nennt einen Grund für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Hattuscha und dem Ahhijawa-Reich: Ahhijawa hatte offenbar ein Interesse an Zypern, das jedoch der hethitische Herrscher zu seinem Herrschaftsgebiet rechnete.
Bei den Befürwortern der Gleichsetzung von Ahhijawa mit Achäern, also mykenischenGriechen, gibt es zwei Meinungen, was genau mit Ahhijawa gemeint ist:
Die erste nimmt ein Mykenisches Grossreich an, das sich vom griechischen Festland bis zur Ostägäis und eventuell Küstenstreifen des Westkleinasiatischen Festlandes (z.B. Milet) erstreckte. Als Zentrum dieses Reichs wird Mykene oder neuerdings auch Theben angenommen. Denn in Theben wurden unlängst zahlreiche kostbare assyrische Siegel gefunden, die ein Geschenk des assyrischen Herrschers waren. Demzufolge hat dieser versucht das (hypothetische) mykenische Grossreich als Verbündeten zu gewinnen. Gegen diese These spricht jedoch, daß nach Ausweis der Linear-B-Dokumente es am Ende des 13. Jh. viele kleinere und offenbar autonome mykenische Reiche gab. Einer Oberhoheit Mykenes oder Thebens ist nirgendwo auch nur angedeutet.
Die zweite Meinung geht davon aus, daß hinter Ahhijawa ein ostägäisches Reich steckt, daß einige Inseln, eventuell Teile Kretas und Milet (= hethitisch "Milawanda"(?)) umfasste. Auch diese These kann einige gute Argumente auffahren: zum einen wäre ein solches Reich und dessen Zentrum viel näher im hethitischen Blickfeld. Des weiteren scheint Ahhijawa seinem Höhepunkt erst zugestrebt zu sein, als sich auf dem griechischen Festland die Lage zuspitzte. Nebenbei sei bemerkt, daß die Inseln und Milet von den Zerstörungen und Umwälzungen, die sich gegen 1200 v. Chr. ereigneten, weitgehend verschont blieben. Im 12. Jh. bildeten einige östliche Inseln und Milet eine kulturelle koine.
Literatur:
Gustav Adolf Lehmann, Die politisch-historischen Beziehungen der Ägäis-Welt des 15.-13. Jh. v. Chr. zu Ägypten und Vorderasien. In: Zweihundert Jahre Homer-Forschung, Colloquium Rauricum 2, Stuttgart 1991, 105-126.
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