Die Affinität (Lat. affinitas, Genetiv: affinitatis - "Verwandtschaft") bezeichnet die Verwandtschaft, Annäherung oder Beziehung, wie sie in der Geschichte der Philosophie aus Teilerkenntnissen über die Zusammenhänge vieler Naturerscheinungen erschlossen wurde.
Zur der Vorstellung von der Affinität bei Empedokles
Solche Vorstellungen existieren z.B. schon in der antiken griechischen Philosophie. So spielten im Denken von Empedokles und anderen griechischen Atomisten Erklärungen über das Zusammenfügen verschiedener Dinge und der dabei waltenden Triebkräfte eine Rolle. Empedokles sah in Liebe und Haß materielle Triebkräfte für den unaufhörlichen Prozess von Vereinigung und Zerfall in der Welt.
Zur Vorstellung der Affinität in der Naturphilosophie der Renaissance, Aufklärung und Romantik
Der später durch die Naturphilosophie der Renaissance und die Naturphilosophie der Aufklärung und Romantik erneut aufgegriffene Gedanke der Affinität hob vielfach einzelwissenschaftliche Teilerkenntnisse in den Rang philosophischer Aussagen und trug wie in der Antike deutliche Züge des Anthropomorphismus. So wurden Sympathie und Antipathie als allgemeine Eigenschaften aller Naturerscheinungen angenommen.
Zur Auffassung der Formen der Affinität bei Immanuel Kant
Immanuel Kant unterschied die empirische von der tranzendentalen Affinität:
"...alle Erscheinungen stehen in einer durchgängigen Verknüpfung nach notwendigen Gesetzen, und mithin in einer tranzendentalen Affinität, woraus die empirische die bloße Folge ist". (in: I. Kant, Kritik der reinen Vernunft)
Zur Auffassung der Affinität bei Hegel als Ableitung aus dem Chemischen
Dieser alle natürlichen Bereiche erfassende weite Begriff der Affinität wurde von G.W.F. Hegel eingeengt und nur im Zusammenhang mit chemischen Erscheinungen verwendet. Sich auf die elektrochemischen Vorstellungen von Jöns Jacob Berzelius stützend, führte er die Affinität der chemischen Körper auf den Gegensatz von positiver und negativer Elektrizität zurück. Neu gegenüber Empedokles und auch Kant ist die Feststellung verwandtschaftlicher Beziehungen auf der Basis der wechselseitigen Bedingtheit von Gegensätzen. Es sei Affinität, wie "ein Selbständiges sich zu Selbständigen anderer Qualität._..verhält"(in: G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik).
Die "andere Qualität" bezieht er auf die Verschiedenheit der elektrischen Ladungen, die - sowohl Ursache für den Ablauf chemischer Reaktionen als auch bestimmend für den Zusammenhalt der chemischen Verbindungen seien. Die Affinität wurde als Maßverhältnis, als quantitative Verschiedenheit betrachtet, woraus "Wahlverwandtschaften" zwischen den chemischen Körpern resultieren. Hegel verweist auf "die Relativität der unmittelbaren Substanzen und Eigenschaften"(in: Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse) und zeigt damit auf dialektische Momente im Chemischen. Auch Friedrich Engels vermutete einen direkten Zusammenhang zwischen chemischen und elektrischen Erscheinungen und führte das Zusammengehen der Atome zu Molekülen darauf zurück.
Der Terminus Affinität wird in der Philosophie der gegenwärtigen Zeit kaum noch verwendet.
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