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Affektenlehre (Philosophie)

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Die Affektenlehre (lat. affectus : Gemütsstimmung, Empfindung, Leidenschaft) bezeichnet einen Bestandteil solcher philosophischer Lehren, in denen die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt sowohl nach ihrer verstandes- als auch nach ihrer gefühlsmäßigen Seite hin untersucht werden, um zu Grundsätzen für sein Verhalten gelangen zu können.


Zur Herausbildung der Vorstellungen des Affektes in den philosophischen Auffassungen der Antike

Von der Antike bis in die Neuzeit (etwa von Aristoteles bis Spinoza) wird der Begriff "Affekt" weiter als in der sich später als selbstständige Wissenschaft herausbildenen Psychologie im Sinne von Gemütsstörungen aufgefaßt, die, wenn sie nicht von der Vernunft beherrscht werden, eine erzwungene gefühls- und willensmäßige Unterwerfung des Menschen unter die Bedingungen der Umwelt nach sich ziehen. So wird in der hellinistisch-römischen Philosophie, unter aritotelischem und kynäischem Einfluß besonders von den Stoikern die Notwendigkeit des affektlosen Verhaltens zur Erreichung der Glückseligkeit betont. Der stoische Weise ist wesentlich dadurch gekennzeichnet, daß er, auf sich bezogen, bei völliger Unterwerfung unter die von der damaligen Physik und Logik erkannten Gesetze des Weltgeschehens, alle "Störungen" der Umwelt auf sich ausschaltet und den Zustand der "Affektlosigkeit" (siehe Apathie), also der Gemütsruhe, des Gleichmuts sowie des Seelenfriedens (siehe Ataraxie) erreicht hat.


Zur Vorstellung des Affektes in der Neuzeit

Zu Beginn der Neuzeit sind es vor allem Thomas Hobbes, Rene Descartes und Spinoza, die, ganz im Geist der Mechanik, eine Darstellung der psychischen Funktionen des Menschen geben wollen. Insbesondere Spinoza entwickelt in seiner Ethik eine ausführliche Affektenlehre. Er nennt drei Grundaffekte, die sämtlich aus dem Selbsterhaltungstrieb resultieren sollen:


  • die Begierde

  • die Lust

  • der Schmerz


Sie sind naturgegeben und müssen - hier stimmt Spinoza mit Descartes überein - durch richtiges Denken geregelt werden. Hobbes wollte die gesamte Erkenntnistätigkeit, in Verbindung mit dem Gefühlsleben, in ihren Beziehungen zu den körperlichen Funktionen als einheitlichen mechanischen Zusammenhang und Vorgang begreifen.


Zur Herausbildung der Affekte im Zuge eines neuen bürgerlichen Lebensgefühls

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bildete in Deutschland Friedrich Wilhelm Stosch (in: Die Übereinstimmung von Vernunft und Glauben) in starker Anlehnung an Spinoza eine Affektenlehre aus, die erwachendes bürgerliches Lebensgefühl bezeugt. Alle Affekte, die den Menschen Freude bringen, seien von Natur aus gut; durch die Freude wiederum gelange der Mensch zu größerer Vollkommenheit. In der 1713 anonym erschienen Schrift Zweier guten Freunde vertrauter Brief-Wechsel vom Wesen der Seelen werden im Sinne einer mechanisch-materialistisch begründeten Psychologie und Erkenntnislehre die Affekte auf die Empfindungsfähigkeit zurückgeführt. Teils würden sie durch physiologische Vorgänge im Körper selbst, teils durch Einwirkungen von außen, vermittelt durch Sinne und Nerven, verursacht.


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