Ägir ist ein Meeresriese, der den Asen nahesteht, aber dem älteren Geschlecht der Riesen angehört. Er ist der Sohn des Miskorblindi und Vater von neun Töchtern, den Ägirstöchtern (Blödughadda, Bygleya, Dröbna, Dusa, Hefrig, Himinglätfa, Kolga, Raun, Udor und Unn), welche als Meereswellen galten. (Neben diesen Namen nennt Snorri aber noch ettliche andere!) Seine Gattin ist die Meeresgöttin Ran. Er wohnt auf der Insel, die Hlésey genannt wird und ist sehr weise.
Mythen
Ägir wurde von Thor aufgetragen, für die Götter Bier zu brauen, aber er gab vor keinen Kessel zu haben, der dafür groß genug sei. In Wirklichkeit wollte er sich aber nur keinen Befehl von Thor geben lassen. Thor allerdings besorgte sich einen riesigen Kessel vom Reifriesen Hymir. So mußte der gedemütigte Ägir doch noch das Bier für Asgard, den Wohnsitz der Götter, brauen.
Bei einem Gelage der Asen läßt er Gold in die Halle tragen, so dass diese hell erleuchtet wird wie von einem Feuer. Dieses Gold ist das Leuchten des windstillen Meeres.
Kulthandlungen
Da die Menschen glaubten, daß Ägir sein Unterwasserreich nur verließ, um Schiffe und ihre Besatzung zu vernichten, wurden ihm vor Antritt einer Seereise Gefangene geopfert, um eine sichere Überfahrt zu gewährleisten.
Historisches
Ägir findet sich häufig in den Erzählungen der Edda, die kurz nach der Christianisierung Islands geschrieben wurde. Er tritt hier immer wieder als Freund der Götter und als Wirt in Erscheinung. Auch im restlichen Skandinavien ist er fester Bestandteil des Kultes. [Keningar, Egill, Sonatorrek (8), Grm (45), Skaldsk (1)(23) usw.] In den Texten zur norwegischen Urgeschichte wird Ägir/Hlér beispielsweise als Sohn des Fornjótr bezeichnet und gibt uns ein gutes Exempel, dass es eben nicht nur eine Nordische Mythologie gibt. Man darf nicht vergessen, dass die Römer den Kelten die Schrift brachten, die frühen Runenzeichen Privileg der Druiden waren und diese nicht daran interessiert waren, dass das gemeine Volk sich schriftlich mitteilen konnte. So wurden diese Sagen seit ihrer Entstehung bis zum Tag, an dem sie aufgeschrieben wurden - dies konnten hunderte Jahre sein - nur mündlich weitererzählt, wodurch natürlicherweise viele Versionen entstanden.
Heute weiß man: Ägir bedeutet im Altnordischen sowohl den Meerriesen, wie häufig (aber sekundär) das Meer selbst. Der Name Ägir hängt mit dem germanischen ahwo, lat. aqua Wasser zusammen, bedeutet also Wassermann (Vgl. Ägir => Aquarius). Es ist aber möglich, dass es sich bei Ägir Meerriesen und ägir/ägi Meer um zwei verschiedene Wörter handelt.
Anmerkung:
Da es keine direkte Überlieferung der nordischen Mythologie gibt, kann es dazu kommen, dass sich Eigenschaften von bestimmten Göttern/Riesen widersprechen oder Mythen völlig anders dargestellt werden. Darum sind hier Ergänzungen besonders erwünscht.
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