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Abstraktes und Konkretes

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Abstraktes und Konkretes bezeichnet ein Kategorienpaar der dialektisch gegensätzlichen Seiten des Erkenntnisprozesses und seiner Resultate (d.h. der Begriffe, Aussagen, Theorien u.a.).


Inhaltsverzeichnis


1 Die einzelnen Momente im Erkenntnisprozess zum Erreichen des Abstrakten und Konkerten

2 Zur Bestimmung des Konkreten

3 Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" im aktuellen Umgang

4 Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" in der Philosophie

5 Zur Herleitung des Ausgangspunkts des ersten Erkenntnisaktes

6 Zum Übergang der schrittweisen Höherstufung im Abstrahieren und Konkretisieren

7 Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" in der formalen Logik


Die einzelnen Momente im Erkenntnisprozess zum Erreichen des Abstrakten und Konkerten

Der Ausgangspunkt der Erkenntnis ist das Konkrete in seiner sinnlich gegebenen Erscheinungsform, wie es durch die Sinneserkenntnis erfasst wird. Die Erkenntnis steigt dann zum Abstrakten auf, d.h., sie analysiert das Konkrete und bildet abstrakte Begriffe, die einzelne Seiten, Züge, Merkmale, Beziehungen der Gegenstände widerspiegeln. Dies reicht jedoch zur Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten nicht aus, denn den einzelnen Abstraktionen fehlt noch der innere Zusammenhang. Die Erkenntnis muss vom Abstrakten zu einer höheren Form des Konkreten aufsteigen, das die Errungenschaften des Abstrakten bewahrt, aber zugleich seine Einseitigkeit und Isoliertheit aufhebt.


Zur Bestimmung des Konkreten

Dieses Konkrete ist die Reproduktion des Gegenstandes in der Erkenntnis, die ihn nun als ein Ganzes in allen seinen wesentlichen Beziehungen erfasst, als eine reiche Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen. Karl Marx drückt dieses Verhältnis wie folgt aus:


"Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen"

Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" im aktuellen Umgang

Die Begriffe "konkret" und "abstrakt" werden in der alltäglichen Umgangssprache, in den Wissenschaften wie in der Philosophie mit unterschiedlichem Inhalt und unterschiedlicher Weite verwendet. Häufig versteht man unter einer abstrakten Darstellung, einem abstrakten Begriff u.a. alles streng wisssenschaftlich Definierte, Komplizierte, schwer Verständliche. Manchmal wird das Wort "abstrakt" auch verwendet, um rein spekulatives, ja praktisch wert- und beziehungsloses Denken zu bezeichnen. Konkretes Denken wäre in dieser Sicht einfaches, unkompliziertes, leicht verständliches Denken, das auf das Unmittelbare, für jedermann Zugängliche gerichtet ist.


Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" in der Philosophie



Im philosophischen Sprachgebrauch ist konkretes Denken bzw. sind konkrete Begriffe solche Formen des Denkens bzw. seiner Resultate, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie mit Anschauung verbunden sind, nicht vom Einzelnen und Zufälligen absehen, den Gegenstand der Betrachtung nicht isolieren, sondern ihn in die ganze Fülle seiner Beziehungen hineinstellen. Das konkrete Denken ist in dieser oder jener Weise immer mit der Gesamtheit des menschlichen Bewusstseins verknüpft (also auch mit Emotionen u.a.). Ein solches Denken kann nur Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Erkenntnis sein. Im Prozess der Erkenntnis wird auf der Grundlage des ursprünglich vorhandenen konkreten Denkens durch Abstrahieren zum abstrakten Denken übergegegangen, d.h. einem Denken, das mit Abstraktionen arbeitet, die Anschauung abstreift, ideale Gegenstände konstruiert u.a.


Zur Herleitung des Ausgangspunkts des ersten Erkenntnisaktes

Für den realen aktuellen Erkenntnisakt gilt, dass sein Anfang nicht von einem statisch vorgegebenen Ausgangspunkt

K1 verursacht ist, sondern dass er von einem komplexen Anfang sinnlicher Objektivität ausgeht, der eine Funktion von materiell unmittelbarer Objektwelt und historisch-logischer Erkenntnisdetermination ist. So gilt für jeden Erkenntnisakt: jedes K1 ist eine Funktion des komplexen Anfangs der Erkenntnis A0K0. Wenn A0K0 die Einheit von historisch-logischer Objektvermittlung und materiell-unmittelbarer Sinnlichkeit bezeichnet, so kann der Erkenntnisakt folgendermaßen schematisiert dargestellt werden:

Verbal ausgedrückt lautet diese Ableitung: Jedes Abstrakt-Konkrete ist als Ausgangspunkt der Erkenntnis eine Funktion von Objektivität und historisch-logischer Determination und führt als solches zu einer ersten durch Abstraktion gewonnenen Verallgemeinerung, die sich entsprechend im Erkenntnisprozess fortsetzt.


Zum Übergang der schrittweisen Höherstufung im Abstrahieren und Konkretisieren

Dieser Übergang vom konkreten

K1 zum abstrakten A1 bereichert einerseits die Erkenntnis und ermöglicht es den Menschen, sich in einer unendlichen Fülle des ursprünglich gegebenen Konkreten zu orientieren; andererseits bedeutet der Übergang zu dieser Form des abstrakten Denkens auch eine Verarmung des Denkens, weil von Momenten abgesehen werden muss, die weiter oben bei der Charaketerisierung des Konkreten aufgezaählt wurden. Deshalb muss vom abstrakten Denken A1 der Schritt zu einem konkreten Denken K2 auf höherer Ebene vor sich gehen.

Bei diesem Denken wird das, was die Überlegenheit des einfach Abstrakten über das einfach Konkrete ausmacht, aufbewahrt, zugleich aber auch aufgehoben und in einer neuen Konkretheit weiterentwickelt. Es ergibt sich deshalb, unter Berücksichtigung der oben abgeleiteten Ausgangsposition, folgendes Schema der Entwicklung der Begriffe im Speziellen und des Denkens im Allgemeinen:



Zur Anwendung der Begriffe "abstrakt" und "konkret" in der formalen Logik

In der formalen Logik, die nicht die Entwicklung der Begriffe und der Resultate des Denkens als Gegenstand hat, sondern die statischen Formen des Denkens analysiert, werden die Begriffe "abstrakt" und "konkret" häufig in einem davon abweichenden Sinne verwendet. Abstrakte Denkweise, abstrakte Begriffe werden hier als Extensionen, als extensional aufgefasst, konkrete hingegen als als Intensionen, als intensional. Die sogenannte Extensionalitätsthese der modernen Logik würde in dieser Deutung beinhalten, dass alles Denken auf ausschließlich abstraktes Denken reduziert werden kann.


Die gegensätzliche These, die in der sogenannten Extensionalitätsthese nicht eine These, sondern eine Abgrenzung der formalen Logik gegenüber anderen Disziplinen sieht, würde besagen, dass kein Denken völlig extensional sein kann, sondern immer das Moment des Intensionalen an sich hat. Dies würde auch der Tatsache entsprechen, dass Extension und Intension zwei Aspekte ein und desselben dialektischen Ganzen sind.


Manchmal werden in der klassischen Logik allgemeine Begriffe, Aussagen u.a. als abstrakt betrachtet, singuläre Begriffe (d.h. Individualbegriffe), singuläre Aussagen hingegen als konkret. Derartige Bedeutungen der genannten Termini sind äußerst unklar und gegeben Anlass zu Missdeutungen.


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