Judentum, Christentum und Islam erheben in jeweils verschiedener Weise einen Absolutheitsanspruch. Diese Religionen beanspruchen, im Besitz einer besonderen geoffenbartenWahrheit eines monotheistischenGottes zu sein, was denknotwendig eine gleichzeitige Gültigkeit anderer Wahrheiten ausschließt. Begründet wird diese Haltung auch mit göttlichen Geboten aus Torah, Bibel und Koran.
Darüber hinaus können aber auch einzelne Menschen oder Gruppen für sich einen Absolutheitsanspruch bezüglich eigener Geltung beanspruchen.
In der Bibel bzw. Torah heißt es z.B. im 1. Gebot: "Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.". Dies ist historisch zu verstehen als eine Abgrenzung des einen, absoluten, unsichtbaren und allmächtigen Gottes, an den die Juden glaubten, von den Gottheiten anderer Kulturen.
Im modernen, vor allem dem liberalen Judentum wird nicht unbedingt behauptet, die Torah sei die einzige heilige Schrift. Vielmehr wird angenommen, dass auch andere Völker ihre Propheten hatten, die ihnen heilige Schriften übermittelt haben. Insofern ist der Absolutheitsanspruch des Judentums ein sehr begrenzter. Dagegen beharren orthodoxe Juden oft noch auf einem Staat Israel innerhalb der Grenzen zur Zeit des Königs David.
Christentum
Das Christentum sieht in der Selbstoffenbarung und Menschwerdung Gottes in Jesus Christus wie sie das Neue Testament schildert, den Gipfel der Weltgeschichte und leitet daraus seinen Absolutheitsanspruch ab.
Islam
Der Islam nimmt im Koran viele Anleihen an das Alte und das Neue Testament, anerkennt jedoch Jesus nicht als Gottes Sohn und hält wiederum Mohammed für den größten aller Propheten, was einen eigenen Absolutheitsanspruch bewirkt.
Mission
Christentum und Islam begründen ihre weltweiten Aktivitäten mit dem Absolutheitsanspruch, was sich insbesondere in der Missionstätigkeit beider Religionen ausdrückt. Das Christentum ist stark auf den Missionsbefehl von Jesus aus Matthäus 28, 19: "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." ausgerichtet. In der Geschichte hat dies oft zu Fehlentwicklungen geführt. Dies hat sich jedoch zu einer friedlichen und werbenden Mission gewandelt.
Der Islam kennt keine Mission im christlichen Sinn, sondern versucht sich eher durch weltweite Präsenz durchzusetzen, auch auf politischem Weg (vgl. Dschihad). Der Absolutheitsanspruch von Christentum und Islam hat in der Vergangenheit und bis heute zu Konflikten geführt. Der Kopftuchstreit impliziert z.B. mehr oder weniger offen vertretene Absolutheitsansprüche.
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