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Abschiedsgruß

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Das Wort Abschiedsgruß hat im Deutschen zwei Intensitäten: das alltägliche Verabschieden nach einer Begegnung (engl. etwa to say good bye) und der Abschied bei einer Abreise (farewell). Im folgenden sei zunächst auf den ersten Typus eingegangen.


Inhaltsverzeichnis


1 Die Bandbreite beim Verabschieden

2 Traditionelle Grußworte

  2.1 "Flottere" Grußworte zum Abschied

3 Gestik und Blick

  3.1 Sonderformen

4 Siehe auch:


Die Bandbreite beim Verabschieden

Ein solcher Gruß - also das Abschließen eines persönlichen Kontaktes - erfolgt meist mit Worten, ist aber meist (analog zur Begrüßung) von Gesten begleitet. Die Grußformen sind von Kultur, sozialer Schicht, Tageszeit und Mode abhängig. Ihre Skala kann sehr viele Bereiche umfassen:


  • herzliche, warme, sehr persönliche Verabschiedung
  • von warmer über betonte Höflichkeit bis zu reiner Formalität
  • von wortreich über sachlich-knapp bis zu eisigem Schweigen
  • von gestenreich bis zu tiefer oder nur angedeuteter Verbeugung
  • vom Segensgruß über gute Wünsche bis zum Zitat
  • lockeres Zuwinken bis ehrfurchsvoller Kratzfuß
  • flüchtig, halb abwesend bis floskelhaft
  • bedeutungsschwanger oder hoffnungsvoll bis mürrisch
  • von ritueller Verabschiedung oder Hutziehen bis zu militärischen Grußformen.


Es gibt auch Verhaltensweisen und Gesten, die für bestimmte Gesellschaftsschichten, Wirtschaftskontakte oder Vereine typisch sind.


Traditionelle Grußworte

  • "Auf Wiedersehen": dieses Wort wird (mit Ausnahme der Jugend) am häufigsten gebraucht, kann aber durch Stimme, Blick usw. einen Großteil der oben angeführten Skala überspannen.
  • "Grüß Gott": der traditionelle Gruß im oberdeutschen Sprachraum reicht ebenfalls vom herzlich-intensiven Abschluss bis zur flüchtig-gedankenlosen Wort. Es hat im alpinen Bereich und Bayern mehrere regionale Varianten, z.B. "Grüezi" (Schweiz) über das östlicher gebräuchliche "griaß' di" bzw. "Grüß' Ihna" bis "pfiat' Di" (Behüte Dich Gott) in Österreichs Tälern.
    Die hochdeutsche Form wird jedenfalls bei "Respektspersonen wie Bürgermeister, Pfarrer oder der Frau Fachlehrer angewandt.
  • Ade, Adieu usw.: diese zwei Formen wereden seit einigen Jahrzehnten seltener. Sie bedeuten "zu Gott" und kamen in der napoleonischen Zeit zu uns.
  • "Meine Verehrung", "Beste Empfehlungen", "Gott zum Gruß" oder ähnliches: sie gelten derzeit als eher theatralisch und werden ebenfalls nur mehr selten verwendet: von manchen Älteren, oder bei besonderen Gelegenheiten.
  • zeitlich variable Sonderformen wie "(Gesegnete) Mahlzeit", "Guten Abend", "Gute Nacht" oder das familiäre "schlaf' gut".


"Flottere" Grußworte zum Abschied

Unter jüngeren ist heute "Tschüss", "Hallo", "Servus" oder "Ciao" vorherrschend. Doch greifen auch diese "modernen" und ähnliche Grußformen meist auf einen christlichen Kern zurück. Die älteste davon ist


  • Servus, sie kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Ich bin dein Diener". Gebräuchlich ist sie vor allem im oberdeutschen Sprachraum - und war es interessanterweise auch unter den Adeligen Altösterreichs und Böhmens. In der Literatur kommt es daher oft vor, teilweise in interessanten Kombinationen wie einer Briefanrede Servus, Herr Minister. Das "Servus" ist wie "Grüß Gott" und "Hallo" auch ein Gruß beim Kommen.
  • Tschüss herrscht im niederdeutschen Sprachraum vor und verbreitet sich derzeit auch in den Süden. Es ist ein Lehnwort des spanischen "adios" (sprich Adjóss) und bedeutet "zu Gott" wie der französische Abschiedsgruss "Adieu". Es kennt einige Regionalformen wie Tschö (Rheinland), Tschüssle (Schwaben) oder Tschüssi (Sachsen und Jugendsprache.
  • Ciao bzw. "Tschau" hat dieselbe Wurzel und ist in der Südhälfte des deutschen Sprachraums stark vertreten. Manche Sprachforscher sehen seine Herkunft im italienischen "Schiavo" (Diener) wie bei "Servus".


Gestik und Blick

Der Gruß hat mit der Beziehung der grüßenden zur zurückbleibenden Person zu tun. Wie die Worte hängt daher auch die Körpersprache von ihr, vom Alter und den eingangs genannten Faktoren ab.


  • Zuwinken oder Zwinkern bedeuten eine lockere Haltung, die freilich auch manchmal nur vorgeschützt ist.
  • Ein Handschlag steht für partnerschaftliche bis höfliche Verhältnisse, wobei Dauer, Druck, Blickkontakt etc. die Nuancen ausdrücken.
  • Verbeugung oder Lüften der Kopfbedeckung bezeugen Respekt,
  • eine tiefe Verbeugung oder zeremonielle Niederwerfung (zu) große Bescheidenheit oder Unterwerfung.
  • Sich beim Gehen Zunicken findet oft "beiläufig" unter gesellschaftlich Gleichgestellten statt.
  • Kuss oder Umarmung zum Abschied zeigen eine besondere Zusammengehörigkeit - oder sollen sie zeigen.
  • Alle diese Gesten wirken aber nur wahrheitsgetreu, wenn auch der Blickkontakt und die Körperhaltung dazupassen. Hier ist Jugendlichen oft die Tanzschule eine Gelegenheit zur Praxis.


Sonderformen

In anderen Kulturen, aber auch innert Europas sind die Unterschiede besonders in der Gestik erheblich. Sie können oft zu Mißverständnissen führen - zum Beispiel in Russland, wenn man sich einem freimütigen dritten Wangenkuss entzieht. Die überkreuzten Hände eines Orientalen, der damit seinen Dank ausdrückt, wirken auf Mitteleuropäer oft seltsam. Darüber zu lächeln kann zu tiefen Verletzungen führen. Über die für uns schwierigen Gebräuche in Asien gibt es für Wirtschaftskreise und Politiker eigene Broschüren und Seminare.


Auch bei uns existieren Abschiedsgrüße in spezieller Form, z.B.:


  • die zum Handkuss dargebotene (oder vom Herrn zart gehobene) Damenhand
  • der kirchliche Segensgruß der erhobenen Hände oder ein Kreuzzeichen, das Priester nach einer Feier den Kindern machen
  • das politische Victory-Zeichen mit Mittel- und Zeigefinger oder
  • sonstige demonstrative Gesten mit der Hand.


Siehe auch:

Gruß, Militärgruß, Salut, Servus, Tschüss


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