Das bayrische Abiturzeugnis wird normalerweise durch den erfolgreichen Abschluss der Kollegstufe (Jahrgangsstufe 12 und 13) und der zentral gestellten Abiturprüfung erlangt. Das bayerische Abitur gilt neben dem in Baden-Württemberg gemeinhin als das Anspruchsvollste in Deutschland.
Das Regelwerk für die Kollegstufe und die Abiturprüfung ist relativ komplex um umfasst selbst als vereinfachte Fassung mehr als 40 Seiten.
Jeder Schüler wählt vor Beginn der Kollegstufe zwei individuelle Leistungskurse. (LK) Der Lerninhalt ist im Gegensatz zu den Grundkursen erweitert und anspruchsvoller, außerdem muss in beiden LKs eine schriftliche Abiturprüfung abgelegt werden.
Grundkurse
Ähnlich wie die LKs, werden auch die Grundkurse (GK) individuell gegen Ende der 11. Jahrgangsstufe gewählt. Allerding führt hier ein umfangreiches Regelwerk dazu, dass zahlreiche GK belegt werden müssen, wie zum Beispiel Mathematik, Deutsch, mindestens eine Fremdsprache, Geschichte, mindestens eine Naturwissenschaft, Ethik oder Sport. Ein LK-Fach muss natürlich nicht mehr als GK gewählt werden.
In einem der beiden LKs erstellt der Schüler eine "Facharbeit". Diese kurze "vorwissenschaftliche" Abhandlung muss seit einigen Jahre nach der Abgabe in einer mündlichen Prüfung erläutert werden, um sicherzustellen, dass die Arbeit selbst verfasst wurde. Wird die Facharbeit mit Null Punken bewertet, wird der Schüler nicht zum Abitur zugelassen.
Abiturprüfung
Zum Abschluss der zwei Jahre wird noch die Abiturprüfung in den beiden Leistungskursen, dem dritten Abiturfach (einem GK, der volle zwei Jahre belegt wurde) einer mündlichen "Coloquiumsprüfung" abgelegt. Die drei schriftlichen Prüfungen dauern je nach Fach vier bis fünf Stunden. Die mündliche Prüfung, das Colloquium, dauert 30 Minuten und ist in zwei Teile gegliedert: 15 Minuten Referat, das zuvor innerhalb von 30 Minuten bearbeitet werden muss, und 15 Minuten Prüfung über die beiden Lehrjahre.
Alle Abituraufgabe sind in Bayern zentral vom Kultusministerium gestellt und werden Landesweit gleichzeitig bearbeitet. Die Arbeit wird vom jeweiligen Lehrer korrigiert, der aber einen groben Bewertungsschlüssel und einen Erwartungshorizont erhält. So soll sichergestellt werden, dass jeder die gleichen Chancen hat, aber die Unterricht nicht allzu eng am Lehrplan gehalten werden muss.
Abiturnote
Für die Abiturnote werden die Noten aus der gesamten Kollegstufe und aus der Abiturprüfung nach einer komplizierten Berechnung addiert, und die Punkte(maximal 840) nach einer Tabelle in eine "Schulnote" mit einer Nachkommastelle umgerechnet.
Mindestpunktzahlen:
70 Punkte bei doppelter Wertung in den Leistungskursen (max. 210 Punkte)
100 Punkte bei der Abiturprüfung (max. 240 Punkte)
110 Punkte in den Grundkursen (max. 330 Punkte)
Hürden
während der Kollegstufe
dürfen höchstens 6 GKs mit weniger als 5 Punkten
dürfen höchstens 2 LKs mit weniger als 10 Punkten (doppelte Wertung)
darf kein Kurs mit Null Punkten
darf die Facharbeit nicht mit Null Punkten
bewertet werden Wer eine der Mindestpunktzahlen nicht erreicht oder eine Hürde "reißt", wird nicht zum Abitur zugelassen.
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