Der Aargau liegt im Norden der Schweiz, im Mittelland und in den östlichen Ausläufern des Juras.
Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Aare. Er grenzt im Norden an den Rhein, im Osten an den Kanton Zürich, im Süden an die Kantone Luzern und Zug, und im Westen an die Kantone Bern, Solothurn und Baselland.
Der Aargau hat mit 7.8% der Schweizer Gesamtbevölkerung einen Anteil von 7.2% am Schweizer Volksvermögen. (Stand: 1990)
Sprachen
Die deutschen Dialekte des Kantons Aargau gehören dem Hochalemannischen an. Im weiteren hat der Kanton jedoch keine homogene Mundart: Aufgrund seiner Lage gehören sie teilweise zum West- (fliege fliegen, zweiförmiger Plural beim Verb) - innerhalb dessen teils zum Nordwest- (Dag Tag) - und teilweise zum Ostschweizerdeutschen (Tag, flüüge, Einheitsplural beim Verb); im südlichen Teil machen sich auch innerschweizerische Züge bemerkbar.
Im Surbtal, wo in Endingen und Lengnau jahrhundertelang eine bedeutende jüdische Bevölkerung lebte (im 19. und 20. Jahrhundert grösstenteils nach Zürich ausgewandert), wurde bis ins 20. Jahrhundert ein westjiddischer Dialekt gesprochen.
Religionen - Konfessionen
Da der Kanton Aargau erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen worden ist, gehört er zu den paritätischen Kantonen. Traditionell reformiert ist der ehemalige Berner Aargau mit den heutigen Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Traditionell katholisch sind die ehemaligen Gemeinen Herrschaften (mehreren Kantonen gemeinsame Untertanengebiete) mit den heutigen Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach, wobei es in Baden und Zurzach traditionell eine reformierte und eine israelitische Minderheit gibt, sowie das bis 1803 österreichische Fricktal mit den heutigen Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Im letztgenannten Bezirk ist auch die christ- oder altkatholische Kirche stark vertreten.
Verfassung
Die gegenwärtige Kantonsverfassung datiert von 1980 (mit späteren Änderungen).
Legislative
Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, dem neuerdings 140, vom Volk für eine feste Amtsdauer von vier Jahren, im Proporzverfahren (Verhältniswahlrecht) gewählte Mitglieder angehören.
Darüber hinaus ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt: Verfassungsänderungen sowie Gesetze, die vom Grossen Rat nicht mit absoluter Mehrheit angenommen worden sind, unterliegen zwingend der Volksabstimmung; andere Gesetze sind auf Antrag von 3'000 Stimmberechtigten der Volksabstimmung zu unterwerfen (Referendum). 3'000 Stimmberechtigte können zudem eine Verfassungs- oder Gesetzesänderung oder ein Gesetz überhaupt vorschlagen (Volksinitiative).
Bei den Wahlen 2001 erzielten die Parteien im Grossen Rat folgende Sitzzahlen (in Klammern Wahlen 1997)
Der Kanton Aargau gilt heute (in deutlichem Gegensatz zum 19. Jahrhundert!) als konservativster der grösseren Kantone, was man ausser am Verhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen auch am sehr grossen Anteil der SVP, den verhältissmässig schwachen Sozialdemokraten und den Sitzen der Rechtsaussen-Parteien (SD, FPS) sieht.
Exekutive
Ausführende Behörde ist der Regierungsrat, dem fünf vom Volk im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) auf eine feste Amtsdauer von vier Jahren gewählte Mitglieder angehören.
Landammann: Vorsitz des Regierungsrats, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
Landstatthalter: Stellvertreter des Landammanns, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
Die fünf Regierungsräte stehen je einem Departement vor:
Kurt Wernli (parteilos), Departement des Innern
Rainer Huber (CVP), Departement für Bildung, Kultur und Sport
Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht mit Sitz in Aarau, Gerichte mit regionaler Reichweite sind die Bezirks- und Jugendgerichte; kommunale Reichweite haben die Friedensrichter. Daneben bestehen Spezialgerichte. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird im Wesentlichen durch das Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.
Parteiensystem
Das Parteiensystem des Kantons deckt sich mit dem Schweizerischen. Die kantonalen Sektionen der vier Bundesregierungsparteien SP, CVP, FDP und SVP haben das Zepter in der Hand, wobei die SP im Unterschied zum Bundesrat im kantonalen Regierungsrat nicht vertreten ist und somit eine Oppositionskraft darstellt. Die bürgerlichen Mitteparteien sind tendenziell rechter als ihre Schweizerische Mutterparteien.
Wirtschaft
Tourismus
Verkehr
Bildung
Die obligatorische Schulzeit beträgt 9 Jahre und beginnt mit dem Eintritt in die Primarschule im Alter von rund 7 Jahren. Der Besuch eines Kindergarten ist nicht obligatorisch. Beim Eintritt kommt man entweder in die reguläre erste Klasse oder in die Einführungsklasse, welche zwei Jahre dauert. Die Primarschule dauert in der Regel 5 Jahre (1. bis 5.Klasse).
Danach erfolgt der Übertritt in eine Real-, Sekundar- oder Bezirksschule. Diese dauern normalerweise 4 Jahre (6. bis 9.Klasse) und vollenden die Schulpflicht, wobei die Chancen auf eine anschliessende Berufsausbildung für Sekundar- und Bezirksschüler wegen der höheren Leistungsstufe in der Regel besser sind als für Realschüler. Wechsel innerhalb dieser drei Stufen erfolgen über Aufnahmeprüfungen (nach oben) bzw. freiwillige oder Zwangsrelegation (nach unten). In einer anschliessenden Berufslehre findet immer auch der Besuch einer Berufsschule statt. Somit sorgen die Betriebe für die praktische Ausbildung, die (staatliche) Schule für die theoretische.
Nur von der Bezirksschule aus ist der Übertritt an die kantonalen Maturitätschulen, die Kantonsschulen, möglich. Dazu muss die Bezirksschulabschlussprüfung mit einer Mindestnote von 4,7 bestanden werden (wobei die 6 die beste und die 1 die schlechteste Note sind). Die praktischen Prüfungsfächer sind Deutsch, Französisch (schriftlich und mündlich) sowie Mathematik. Aus dem Jahreszeugnis kommen Englisch, Geschichte, Biologie, Chemie, Musik und Zeichnen, sowie wahlweise Latein hinzu. Mit einer Mindestnote von 4,4 ist man zum Übertritt an die Diplommittelschule, an die Wirtschaftsdiplomschule oder an eine Berufsmaturitätsschule berechtigt. Wobei letztere berufsbegleitend stattfindet.
An der Kantonsschule, die rund 4 Jahre dauert (10. bis 13.Schuljahr), kann die Eidgenössische Maturität erlangt werden. Neben obligatorischen Grundlagenfächern können die Schüler ihr Akzentfach (1./2. Jahr, 3 Wochenstunden), ihr Schwerpunktfach (3./4. Jahr, 6 Wochenstunden), ihr Ergänzungsfach (4.Jahr, 4 Wochenstunden), sowie verschiedene Freifächer selbst wählen.
Der Kanton Aargau verfügt über keine Universität. Die Fachhochschulen aber ermöglichen Absolventen der Berufsmaturitätsschulen verschiedene Studienrichtungen. Der Aargau gehört zur Fachhochschulregion Nordwestschweiz.
Für Erwachsene gibt es eine Erwachsenenmaturitätsschule. Für die Volksbildung sorgen Kurse der Volkshochschule, sowie verschiedene Bibliotheken in Gemeinden und die Kantonsbibliothek in Aarau.
Es existieren auch diverse spezielle Schulen, wie z.B. die Heilpädagogischen Sonderschulen.
Der Unter-Aargau, das Gebiet des heutigen Kantons Aargau, gehörte im Mittelalter nacheinander den Grafen von Lenzburg, Kyburg und Habsburg. Er wurde 1415 von den Eidgenossen erobert; politischer Hintergrund waren die Streitigkeiten um die römisch-deutsche Königswürde, weshalb die Gegner Sigismunds von Habsburg zur Eroberung von dessen Territorien aufriefen.
Teile des zürcherischen Untertanengebiets (Knonauer Amt) blieb hingegen bei Zürich und der Oberaargau bei Bern. Diese verschiedenen Gebiete unterscheiden sich auch heute noch in Wirtschaftsstruktur, Konfession und politischer Ausrichtung stark. Nach 1831 gehörte der Kanton Aargau zu den liberalen Kantonen; viele demokratische Flüchtlinge aus Deutschland fanden hier Aufnahme. Der Aargauische Klosterstreit 1841/43, als der Kanton zuerst alle Klöster aufhob, dann aber die Nonnenklöster (beispielsweise Kloster Fahr wieder zuliess, war eine der Ursachen für den Sonderbundskrieg von 1847, der in die Errichtung des modernen schweizerischen Bundesstaates mündete.
Städte und Orte
Der Kanton Aargau ist geprägt von Kleinstädten. Die Zwillingsstädte Wettingen und Baden bilden einen wichtigen Schwerpunkt:
Im Aargau befinden sich viele historisch bedeutsame Orte:
Baden bereits in der Römerzeit ein Badeort und war in der Alten Eidgenossenschaft Tagsatzungsort - der Tagsatzungssaal im Stadthaus ist bis heute erhalten
Brugg war eine zeitlang Hauptsitz der Habsburger deren Stammsitz, die Habsburg sich östlich von Brugg befindet
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