Glas (urspr. Bez. für Bernstein), fester anorgan. Stoff, der keinen definierten Schmelzpunkt besitzt und der nach Abkühlung und Erstarrung nicht merklich kristallisiert ist. Seit dem 3. Jt. v.Chr. ist Schmuck aus G. in Ägypten und im östlichen Mesopotamien bekannt, in Ägypten entstanden um -1,500 v.Chr. die ersten Glasgefäße, Sandkerngefäße gen., die über tonigen Sandkern geformt wurden. Syrische Glasarbeiter sollen im 1. Jh. v.Chr. als erste die Kunst des Glasblasens praktiziert haben. Seitdem wurde G. nicht nur für Schmuck, sondern in steigendem Maße auch für Gefäße verwendet. Die Römer gründeten bed. Werkstätten, u.a. in Köln am Rhein, deren Methode der Glasherstellung auch im Vorderen Orient übernommen wurde. Die meisten Glashütten Europas gab es seit Ende des 13. Jh. auf der Insel Murano bei Venedig, wo im 14./15. Jh. auch die eigtl. Entwicklung des europ. Kunstglases begann, auf die islam. Glaskünstler einen gewissen Einfluß hatten. Die venezian. Produktionsweise ('façon de Venise') wurde zum Vorbild für viele europ. Glashütten. Im 18. Jh. fand die in Prag zur Vollendung geführte Technik des Glasschliffs und des Glasschnitts großen Zuspruch in Nürnberg, Böhmen, Schlesien, Hessen und den Niederlanden. Während des Biedermeier wurde mehrschichtiges G. mit Schnittdekor oder bemaltes G. bevorzugt, gegen Ende des 19. Jh. setzte die Massenproduktion im Preßglasverfahren ein. Im Jugendstil wurden um 1900 alte Techniken der Glasherstellung wiederbelebt, das Bauhaus entwickelte dann Ansätze für eine neuartige Glaskunst weiter.
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