Keramik (griech. keramiké {téchne} 'Töpferkunst'), 1) Bez. für Erzeugnisse aus gebranntem Ton oder Kaolin und für deren Herstellung. Die K. zählt zu den frühesten kulturellen Erzeugnissen des seßhaft gewordenen Menschen, vermutl. kannte schon das Jungpaläolithikum die Töpferkunst. Im 8.-7. Jt. v.Chr. wurde die Technik zur Herstellung keram. Erzeugnisse neu erfunden, wobei der Gebrauch der Töpferscheibe (zuerst in Mesopotamien im 4. Jt. v.Chr.) auf die Hochkulturen beschränkt blieb. Der Fußantrieb für die Scheibe wurde um -3000 v.Chr. in Ägypten erfunden. Anhand der Formen und Dekore der K. lassen sich die Frühkulturen zeitl. wie geograph. einordnen (Band-, Becher-, Schnurkeramik u.a.). Auf das 7. Jt. v.Chr. sind die Anfänge der Töpferkunst in Vorderasien datiert (West-Iran); in den folgenden Jt. entstanden in N-Irak die Samarra-K., in N-Syrien und Mesopotamien die Halaf-K., in Ägypten die Gefäßkunst der Negadekultur. Die ind. Harappa-Kultur (4.-2. Jt. v.Chr.) brachte neben Gefäßkeramik auch Terrakottastatuetten hervor. Die minoische Kultur auf Kreta produzierte kunstvolle farbige K. (Kamaresvasen), im antiken Griechenland entwickelte sich eine außerordentl. Gefäßkunst (bemalte Vasen). Terrakottaplastiken (Sarkophagfiguren, Statuen) wurden von den Etruskern hergestellt, die Römer schufen die Terra sigillata. Die Erfindung der Lüster-K. ist der islam. Kunst zu verdanken (Bagdad, 9. Jh.). Im Mittelalter verbreitete sich die Technik der Lüsterglasur auch in Europa, in Italien wurde sie 'Majolika' gen. (nach der Insel Mallorca, 14./15. Jh.), in Frankreich Fayence (nach Faenza). Erst im 17. Jh. konnte sich die Lüsterglasur in Deutschland gegen die das Steinzeug durchsetzen, um im 18. Jh. von dem Porzellan und Steingut wieder abgelöst zu werden. Ihre europ. Blüte erlebte die K. dann erst wieder im Jugendstil und beim Bauhaus. Die ersten Erzeugnisse der Töpferkunst in China wurden im 3. Jt. v.Chr. hergestellt. Bleiglasuren wies bereits die K. der Shang- (-1766/-1122 v. Chr) und der Hanzeit -(206 v.Chr./220 n.Chr.) auf. Eine hochentwickelte Technik ließ in der Tangzeit (618/907) weißes Porzellan, grünglasierte Seladongattungen und mit Überlaufglasur versehenes Steingut entstehen. Das dünne 'schattenblaue' weiße Porzellan der Sungzeit gilt als Vorstufe des eigentl. Porzellans. - 2) in der modernen Technik ein wichtiger High-Tech-Werkstoff, der durch Verfestigung anorgan. nichtmetall. Pulver unter Hitzeeinwirkung zw. 800 und 2 000 °C entsteht. K. wird wegen ihres geringen spezif. Gewichts, ihrer chem. Resistenz und ihrer hohen Verschleißfestigkeit geschätzt und findet Verwendung beim Bau von Isolatoren, in der Halbleitertechnik, bei der Entwicklung von Supraleitern, in der Raumfahrt (z.B. Hitzeschild) u.a.
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