Goethe, Johann Wolfgang von (geadelt 1782), *Frankfurt am Main 28.8.1749, +Weimar 22.3.1832, dt. Schriftsteller, Philosoph, Naturforscher und Politiker. G., eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltliteratur, verstand es wie kaum ein anderer, Leben und Werk zu faszinierender Harmonie auszubilden. Nach behüteter Jugend in wohlhabender Bürgerfamilie sollte G. Jurist werden, fühlte sich aber schon in den ersten Studienjahren in Leipzig (seit 1765 Vorlesungen bei Gellert) und Straßburg (seit 1769 Freundschaft mit Herder) zur Dichtkunst hingezogen. Es entstanden erste reife Gedichte (z.B. 'Willkommen und Abschied'), die wie auch spätere Produktionen Liebesbeziehungen entsprangen und die Phase des 'Sturm und Drang' einleiteten. Was den Dichter ausmache, faßte G. damals in die Formel: '...ein warmes, ganz von einer Empfindung volles Herz.' In dieser Stimmung schrieb er das Drama 'Götz' (1771) und den Briefroman 'Die Leiden des jungen Werthers' (1774), der zum Kultbuch einer ganzen Generation wurde und den Weltruhm des Autors begründete. 1775 folgte G. dem Ruf des Herzogs Karl August nach Weimar, wo er Ministeraufgaben übernahm und wo weitere Werke (u.a. Gedichte wie 'An den Mond', 'Wanderers Nachtlied') reiften wie die Dramen 'Egmont', 'Torquato Tasso', 'Iphigenie auf Tauris', 'Urfaust' und der Romanstoff 'Wilhelm Meister'. Sie alle aber fanden erst Vollendung 1787/1790 und später, nachdem G. der Weimarer Enge vorübergehend nach Italien entflohen war. Beeinflußt hat sie auch die folgende Freundschaft mit Schiller und dessen idealist. Ästhetik, die Werke wie das Versepos 'Hermann und Dorothea' (1797), den ersten Teil des 'Faust' (1808) ebenso prägte wie gemeinsame Unternehmungen (z.B. 'Xenien', 1796; Zeitschrift 'Musenalmanach', 1796/1800). G. wurde in der Zerrissenheit der Epoche Napoleons, dem er 1808 in Erfurt begegnete, zur internat. literar. und kulturellen Instanz. Der Roman die 'Wahlverwandtschaften' (1809) und die Erinnerungen 'Dichtung und Wahrheit' (1811/1813) reflektieren diese Zeit des Umbruchs und der Umwertung. Das sich zu höchster Kunst entfaltende Alterswerk setzte ein mit dem Gedichtkosmos 'Westöstl. Divan' (1819), gestaltete in der 'Marienbader Elegie' (1823/1824) eine späte Liebe über die Generationen hinweg, bewältigte die 'Entsagung' im Roman 'Wilhelm Meisters Wanderjahre' (1829) und gipfelte in der Vollendung des 'Faust' (2. Teil 1831). Daneben erschienen naturwiss. Arbeiten, die von der unerreichten Universalität des goetheschen Geistes zeugen.
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