Weizsäcker, Richard von, *Stuttgart 15.4.1920 - Der Sohn des 1938/1943 im Auswärtigen Amt als Staatssekretär tätigen Ernst von Weizsäcker (*Stuttgart 25.5.1882, +Lindau 4.8.1951) studierte Jura und verteidigte seinen Vater beim Nürnberger Prozeß, konnte aber dessen Verurteilung zu 7 Jahren Haft (1950 vorzeitig entlassen) nicht verhindern. 1954 trat Weizsäcker in die CDU ein, für die er 1969/1981 als Abgeordneter im Bundestag saß, 1972/1979 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und 1979/1981 als Vizepräsident des Bundestags. Im Anschluß daran beendete er durch einen Wahlsieg die lange SPD-Herrschaft in Berlin und wurde Regierender Bürgermeister. Der über die Parteigrenzen populäre Politiker und Kirchentagspräsident (1964/1970 und 1979/1981) gab das Amt 1984 ab und wurde als Nachfolger von Carstens zum Bundespräsidenten gewählt. Im In- und Ausland hochgeachtet, konnte der 1989 wiedergewählte Weizsäcker dem repräsentativen Amt große moralische Autorität verleihen und in einer schwierigen, von gesellschaftlichen Verwerfungen und dramatischen Entwicklungen geprägten Zeit Wege weisen, integrieren und Vorbildfunktion gewinnen. Seine Rede zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8.5.1985 vor dem Bundestag setzte Zeichen für einen verantwortungsbewußten Umgang mit der furchtbaren Vergangenheit, seine Mahnungen nach dem Zusammenbruch der DDR bereiteten die Bevölkerung auf die Probleme der Einheit vor: 'Sich zu vereinen, heißt teilen lernen.' 1994 löste ihn Roman Herzog als Staatsoberhaupt ab.
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