Studentenbewegung 2, die studentische Kritik sammelte sich um den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), der wegen seines Festhaltens an marxistischen Positionen in Konflikt mit der Mutterpartei SPD geraten war. Hier bildete sich die Überzeugung, daß die Mißstände an den Hochschulen ihre Ursache in der kapitalistischen Gesellschaftordnung hätten, die folglich verändert werden müsse. Von der Hochschulbasis aus versuchten die SDS-Aktivisten in die Bevölkerung hineinzuwirken, fanden Resonanz bei der APO, konnten aber nicht wie marxistisch vorgesehen in der Arbeiterschaft Fuß fassen. Ihre antiautoritäre Erziehung in den Kinderläden, die Kommune-Gründungen und die Forderungen nach befreiter Sexualität im Sinn der Lehren des österreichischen Psychoanalytikers Wilhelm Reich (*Dobrzynica, Galizien 24.3.1897, +Lewisburg, USA 3.11.1957) ängstigten eher und isolierten die Studenten gesellschaftlich. Und selbst als es nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg (+Berlin 2.6.1967) durch eine Polizeikugel bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien und nach dem Anschlag gegen Dutschke zu Massendemonstrationen kam, erfaßte der Protest nur eine dünne Schicht. Die Erfolge der Studentenbewegung, die zu Beginn der 1970er Jahre verebbte, blieben letztlich auf die Hochschulreform beschränkt, wenn auch Fernwirkungen auf die Politik der sozialliberalen Koalition nicht zu übersehen sind ('mehr Demokratie wagen'). Vom Gedankengut der Bewegung nachhaltig geprägt wurde die Alternative Bewegung. Ins Kriminelle schlug es um bei den Terroristen der Baader-Meinhof-Gruppe und ihren Nachfolgern in der RAF.
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