Marktwirtschaft, 'So wenig Staat wie möglich', war die Devise des frühen Liberalismus. Auf die Wirtschaftspolitik angewandt bedeutete das, Güterproduktion, -konsum und -verkehr dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen. Am Markt, wo Angebot und Nachfrage zusammentreffen, sollte sich im freien Wettbewerb der Preis von Waren bilden, zu denen auch die Arbeitskraft gerechnet wurde. Der Staat hatte dafür nur den rechtlichen Rahmen zu schaffen, für die Einhaltung des fairen Wettbewerbs zu sorgen, das Eigentum zu schützen und sich durch Steuern und Abgaben die Mittel zu verschaffen, die zu Bewältigung von Kollektivaufgaben nötig waren. Eine solche schrankenlose Marktwirtschaft wurde in reiner Form zwar nie verwirklicht, doch kamen die Zustände im Frühkapitalismus des 19. Jh. der Utopie recht nahe und entlarvten zugleich das Inhumane des Konzepts: Es kam zu Monopol- und Kartellbildung sowie zur Verelendung derer, die nicht über Produktionsmittel, sondern nur über ihre Arbeitskraft verfügten. Schwankungen der Konjunktur waren durch die Marktwirtschaft ebensowenig zu steuern wie Firmenzusammenbrüche oder Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
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