Linksradikalismus, wer politische Überzeugungen mit missionarischem Eifer vertritt und sie buchstäblich um jeden Preis - also notfalls auch mit Gewalt - durchzusetzen sucht, gilt als extremistisch oder radikal. Zielen diese Überzeugungen auf den Umsturz der bestehenden Verhältnisse zugunsten sozialistischer oder kommunistischer Modelle, spricht man von Linksradikalismus, bei rückwärtsgewandten Entwürfen von Rechtsradikalismus. Die linke Variane spielte nach 1945 in der Bundesrepublik angesichts des abschreckenden Beispiels der DDR und bei wachsendem Wohlstand zunächst kaum eine Rolle. Erst in der Kritik an der Konsumgesellschaft, an der Entmündigung der Arbeiterschaft, an der 'Komplizenschaft' der Bundesrepublik beim Krieg der USA gegen das 'vietnamesische Volk', am Umgang des Establishments mit der NS-Vergangenheit, an der Notstands-Gesetzgebung u.a. bildete sich in den 1960er Jahren eine zunehmend radikalere Linke jenseits der SPD. Sie trat institutionell als Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder in sog. K-Gruppen auf, gewann aber breite Wirkung eher informell durch Aktionen der APO und der Studentenbewegung. Die radikalste Konsequenz aus der Analyse der bundesdeutschen Gesellschaft als angeblichem 'Schweinesystem' zogen die Terroristen der Baader-Meinhof-Gruppe. Ihren Aktivitäten versuchte der Staat mit polizeilichen Mitteln, aber auch mit Verwaltungsakten wie dem Extremistenbeschluß zu begegnen. Ob die SED-Nachfolgepartei PDS als linksradikal zu gelten hat, ist strittig; im Verfassungsschutzbericht 1995 wurden Teile der PDS als 'linksextremistisch' bezeichnet.
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