Kulturpolitik 2, zog die Bundesrepublik aus der Katastrophe der deutschen Kultur unter dem Nationalsozialismus die Erkenntnis, daß sich Kultur inhaltlich nur über eine brutale Zensur steuern läßt, und daraus die Konsequenz des strikten Neutralitätsgebots für den Staat, so sah die DDR im umgekehrten Weg der staatlichen Lenkung das Mittel zur Überwindung 'faschistischer' Tendenzen in der deutschen Kultur. Sie setzte an die Stelle der 'braunen' Gängelung eine 'rote' und hoffte so eine 'sozialistische Volkskultur' aufbauen zu können und den 'Formalismus' zu überwinden, der Ausdruck der 'Ideenlosigkeit des verfaulenden Kapitalismus' sei (Ulbricht, 1951). Kunst und Literatur wurden auf die Prinzipien des sozialistischen Realismus verpflichtet und den Intellektuellen des Bitterfelder Weg zur Überwindung der Kluft zum 'Volk' gewiesen. Durften anfangs Weltberühmtheiten wie Brecht noch Kritik üben, so wurden später Dissidenten wie Havemann u.a. mundtot gemacht oder wie Biermann u.a. ausgebürgert. Andere wurden zur Ausreise terrorisiert oder durch Ausschluß aus den Verbänden faktisch mit Berufsverbot belegt. Das entlastete jedoch nicht, sondern häufte nur Konfliktpotential an, das zum Untergang des Staates beitrug.
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