Heinemann, Gustav, *Schwelm 23.7.1899, +Essen 7.7.1976 - Von einem 'Stück Machtwechsel' sprach der SPD-Politiker Heinemann, als er am 5.3.1969 gegen den CDU-Kandidaten Schröder zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Die Dramatik des Umbruchs wird am Werdegang Heinemanns besonders deutlich: Im 3. Reich einer der führenden Männer der Bekennenden Kirche, trat der Jurist 1945 der CDU bei, war Oberbürgermeister von Essen, Justizminister in Nordrhein-Westfalen und 1949 erster Bundesminister der Justiz. Ein Jahr später verließ er die Regierung aus Protest gegen die Wiederbewaffnung, war Mitbegründer der neutralistischen Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) und ging nach deren Scheitern zur SPD. Für sie trat er 1966 erneut als Justizminister in die Regierung der Großen Koalition ein und brachte die Große Strafrechtsreform auf den Weg. Seine Wahl zum ersten sozialdemokratischen Staatsoberhaupt seit Friedrich Ebert (*Heidelberg 4.2.1871, +Berlin 28.2.1925) leitete das Ende der CDU-Herrschaft ein und war nach 10 Jahren Lübke ein geistiger Neuanfang. Heinemann verstand sich als 'Bürgerpräsident', der die Kritik der unruhigen Jugend an verkrusteten Strukturen ernst nahm. Ohne NS-Belastung konnte er nach außen gutnachbarliche Beziehungen zu den einst von der Wehrmacht besetzten kleineren europäischen Staaten von Norwegen bis zu den Niederlanden durch Staatsbesuche fördern.
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