Demokratischer Zentralismus, Staat und Partei waren in den kommunistischen Staaten, nach liberaleren Anfängen seit 1950 auch in der DDR, nach dem Prinzip aufgebaut, das Lenin 1902 in seiner Schrift 'Was tun-' entwickelt hatte. Was Lenin zunächst allerdings treffend als 'bürokratischen Zentralismus' bezeichnet hatte, wurde schon 1906 zum Begriff 'Demokratischer Zentralismus' veredelt. Danach gilt: 1. die Wählbarkeit aller Organe, 2. eine Rechenschaftspflicht der Organe gegenüber den Wählern, 3. unbedingte Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit, 4. absolute Verbindlichkeit der Beschlüsse übergeordneter Gremien für die nachgeordneten. Dieses Modell, flankiert durch ein striktes Fraktionsverbot, läßt sich nach der Praxis in den fraglichen Staaten und Parteien als eine Art 'kollektives Führerprinzip' bezeichnen, das nicht selten in ein persönliches entartete. Hatte schon Rosa Luxemburg (*Zamosc bei Lublin 5.3.1870, +Berlin 15.1.1919) kritisiert, daß dadurch 'Cliquenwirtschaft' Vorschub geleistet werde, so prophezeite Leo Trotzki (*Iwanowka?, Cherson 7.11.1879, +Coyoacán bei Mexiko Stadt 21.8.1940): 'Die Organisation tritt an die Stelle der Partei selbst, das Zentralkomitee an die Stelle der Organisation, und schließlich tritt der Diktator an die Stelle des Zentralkomitees.'.
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